Zurück aus Deutschland oder: meine Flucht vor dem Reverse Culture Shock

Nach zweiwöchiger Funkstille hier auf dem Blog melde ich mich nun aus Kuba wieder. Wenn Du diese Zeilen liest bin ich wohl wieder sicher auf mexikanischem Boden gelandet und hoffentlich schon wieder daheim, im Bus.

Mit dem Internet haben sie es in Kuba ja nicht so, wie Du vielleicht weißt, deswegen bin ich mit meinem Aufenthalt auf der Insel still und heimlich in die Funkstillenverlängerungsrunde gehuscht ohne Dir Bescheid zu sagen. Pardon dafür.

Nach ziemlich genau vier Wochen Heimaturlaub in Deutschland blieben mir in Yucatan nur zwei Nächte Reunionszeit mit meinem lang vermissten Vanlife bis es am 2. April nach einer schlaflosen Nacht am Flughafen von Cancun hieß: ab nach Kuba.

Was mich hier in den letzten zehn Tagen auf Trab gehalten hat werde ich Dir in den kommenden Wochen in Schrift und Bewegtbild erzählen. Nun möchte ich Dich aber erst einmal up to date bringen, was in Deutschland so geschehen ist und was mein anstehendes weiterführendes Reiseleben angeht.

Reverse Culture Shock

Mich hat’s ziemlich erwischt. Die ersten Tage in Deutschland bin ich – mitunter auch dem Jetlag verschuldet – wie ein Geist durch die Gegend geschwebt. Es hat sich angefühlt als hätte jemand einen Schleier über meine Augen und Ohren gestülpt. Alles war extrem gedämpft: Geräusche, Farben, Verkehr, das Leben an sich. Es zog an mir vorbei und ich zog mit, traf Menschen, viele Menschen und konnte gleichsam mehrere Stunden damit verbringen in einem Zimmer zu sitzen und meine Sachen sinnlos hin- und herzuorganisieren.

Ich war irgendwie da, aber nicht angekommen

Mich hat vieles begeistert und gleichermaßen verwirrt. Meine skeptische Stirnfalte rieb ich mehrmals täglich aus, jedes Mal wenn mir mein Gesicht schon fast weh tat von dem Zusammenkneifen meiner Augen und Brauen.

Ich schaute und staunte

Toilettenpapier, das man die Toilette hinunterspült statt es in den Eimer daneben zu werfen. Trinkbares Wasser, das aus der Leitung kommt, mit dem wir duschen und es die Kloschüsseln hinunterspülen.

Duschen, bei denen wir die Temperatur und den Wasserstrahl verstellen können.

Autobahnen, auf denen wir mit über 130 Sachen entlang jagen können (und ich mit knapp 90 km/h schon das Gefühl hatte die Schallmauer zu durchbrechen).

Essen aus aller Herren Länder. Türkisches, japanisches, vietnamesisches, thailändisches, indisches, italienisches, deutsches, so – viel – unterschiedliches – Essen.

Menschen, die andere Menschen anmachen, weil sie eine andere Hautfarbe haben.

Menschen, die andere Menschen anpampen, nur weil sie selbst gerade einen schlechten Lauf haben.

Menschen, die anderen Menschen das Gefühl geben ärmer, dümmer, schlechter zu sein als sie selbst.

Menschen, die andere Menschen ignorieren.

All das hat mir zu Denken gegeben

Menschliche (Kommunikations-)Probleme gibt es überall auf der Welt. Umso mehr dort, wo verschiedene Kulturen aufeinander stoßen.

Mehr als je zuvor ist mir aufgefallen, wie sensationell das Ganze doch in Deutschland eigentlich funktioniert. Oder zumindest die letzten Jahrzehnte funktioniert hat.

Die kulturelle Vielfalt, von der Deutschland – nicht nur in kulinarischer Hinsicht – immer nur profitiert hat.

Woher kommt die Angst, die Skepsis, der Verdruß?

Oder war es nur der unbehagliche Halb-Winter, der allen noch in den Gliedern saß?

Das Umfeld, was mich umgibt

Ich versuchte den Raum, durch den ich mich begab zu scannen. Mich von negativen Gestalten fernzuhalten und ganz viele Leute um mich zu sammeln, die mir gut taten. In ganz vielen Terminen, die mir anhand der schieren Anzahl wohl nicht unbedingt gut taten, aber der Inhalt zählte.

Ich traf alte Freunde, neue Freunde.

Meine liebe Mandy, die ich seit über einem Jahr nicht gesehen hatte und mit der ich trotz einem Ozean zwischen uns GET READY TO RUN an den Start gebracht habe. Mein Ruhepol in Berlin und beste Wochenend-Workation-Station, die ich jemals erlebt habe.

Andrea und Jacko, mit denen ich stundenlang hätte reden können und ich es nicht erwarten kann sie unterwegs iiiirgendwann wieder zu sehen.

Sebastian und Line, bei denen es schon an ein Wunder grenzt, wenn man tatsächlich mal auf dem gleichen Kontinent, ach was – in der gleichen Stadt sitzt und sich zwischen allen ITB Terminen eine halbe Stunde austauschen kann.

Norman, mit dem ich noch so viel mehr reden möchte.

Ein sonniges Wiesbaden und ein nasses Berlin mit Käthe.
Ein „So schön Dich zu sehen!“ mit Christoph.
Ein Kochen-Schlafen-Cidern-Coworken mit Ina.
Eine Yogasession mit Kaja.
Ein Super-Spontan-Meetup mit Heidi und Christian.
Ein Sushi-Fest mit Bastian.
Eine Soulsession und ein umwerfender Workshop mit Franziska und Kaja.

Und so vieles mehr.

Deutschland war ein Fest der Gefühle, des Transits, des Zugverpassens und Zurückkehrens. Es war ein großes Hallo, viele Umarmungen und viele Abschiede.

Auf dem neusten Stand

Nun bin ich zurück und gab mir mit Kuba erst einmal die volle Breitseite Realität. Eine ganz andere als die deutsche, aber eine Realität, die so spürbar und unverblümt ist, dass sie mich mit allen Sinnen umgehauen hat.

Und der erste Tag in Mexiko hatte es auch in sich – Gaszug zweimal gerissen und dann zockte uns die Polizei wegen angeblichen (eigentlich gar keinem) Falschparkens ab. 20 Euro, um das abgeschraubte Kennzeichen ohne Polzeistationaufenthalt wiederzubekommen. Eine erste (und hoffentlich einzige) Kollision mit mexikanischer Polizeikorruption.

Nun bin ich also wirklich hier und es geht weiter. Es folgt ein weiteres Mini-Meetup in Tulum mit einer meiner liebsten Freundinnen. Dann geht es voran: Belize, Nord-Guatemala und zurück nach Mexiko, wo ich wohl 2-3 Monate verbringen werde. Über Baja California bringt mich mein Weg nach Kalifornien.

Was dann kommt wird die Zeit zeigen.

Ich werde keine großen Ankündigungen machen, meine Planungen ändern sich zur Zeit eh im Stunden- wenn nicht Minutentakt. Deswegen erwarte nicht zu viel zur Zukunftsmusik. Auf Reiseerzählungen kannst Du hier auf dem Blog jedoch gewiss wetten!

So privat wie heute werde ich sonst meist nur im Newsletter. Solltest Du also an meinen Alltagseingebungen und vielleicht doch auch ein wenig Zukunftsplanung meinerseits Interesse haben, kannst Du Dich hier sehr gerne eintragen:


Und ich bin froh, dass Du dabei bist. Mitfieberst, -feierst, grübelst und läufst. Ob erst wenige Wochen oder schon seit Anbeginn der Zeit, zurück in 2013 oder gar 2012.

Es tut gut Dich hier zu sehen und ich freue mich über jedes Lebenszeichen von Dir, ob Meinung, Kritik, Wünsche, was Dir auch immer einfällt – rein in die Kommentare oder über Facebook, Instagram, Snapchat (Nutzername: travelrunplay).

Auf bald!

Comments(7)

  • 13. April 2016, 12:11  Antworten

    Ich schicke Dir ein Herz in die Ferne und wundere mich, was Du so für Fotos machst, die ich nicht mitbekomme <3 Auf bald, iiiiirgendwo.

  • 13. April 2016, 13:43  Antworten

    Bin letzte Woche auch erst aus Zentralamerika zurückgekommen und mir erging es ziemlich ähnlich. Das Gemecker, Echauffieren und seine-schlechte-Laune-an-anderen-Leuten-auslassen schockiert mich bei der Rückkehr immer am meisten. Und zu allem Überdruss bin ich dann auch noch aus Versehen an einer Pegida-Montagsdemo vorbeigelaufen. Hilfe!

    Bin gespannt was du noch so berichten wirst, vor allem aus Mexiko! Mit nem eigenen fahrbaren Untersatz gibt’s da so viel zu Entdecken. LG und Safe Travels!

  • 13. April 2016, 14:25  Antworten

    Es war schön dich zur ITB kurz zu sehen, trotz Stirnfalte. Dank meines eigenen Jetlags ist die mir aber garnicht aufgefallen ;)

  • 13. April 2016, 15:14  Antworten

    Wahre Worte bezüglich der Menschen, die sich treffen etc…..meiner Meinung nach auf den Punkt getroffen mit der Wortwahl!!

  • travelworklivede
    13. April 2016, 16:33  Antworten

    Es war so schön dich wieder zu treffen und ich bin sehr gespannt wie es weitergeht bei dir. Ich bin mir sicher es bleibt spannend und hoffe, dass unsere Wege sich bald wieder kreuzen!

    Stay Wild :D

  • 13. April 2016, 18:18  Antworten

    Gute Weiterreise und keine weiteren Polizeibegegnungen! War schön Dich zu kennenzulernen
    Caro & Martin

  • 15. April 2016, 20:09  Antworten

    Hey Carina,

    mir ging es ebenso nach meiner Rückkehr aus Israel. Deshalb ganz schnell wieder weg hier. ;)

    Lieber Gruß nach Mexiko!
    Philipp

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