Was wir von den Menschen aus Kuba lernen können

| Dies ist ein Gastbeitrag von Vany Visits |

Letztes Jahr war ich auf Kuba und vielleicht ist Dir bekannt, dass man auf Kuba super günstig und komfortabel in den „Casas Particulares“ wohnen kann. Die Casas – das sind die Wohnungen oder Zimmer, die von den Einheimischen vermietet werden. Während meiner Reise bin ich ausschließlich in diesen Casas untergekommen, da ich es immer besser finde so authentisch wie möglich zu reisen. Ich habe es nicht bereut, denn dadurch kam ich ziemlich einfach ins Gespräch mit vielen Kubanern. 

Diese Gespräche waren für mich persönlich sehr wertvoll und eigentlich sogar das Schönste an der ganzen Reise. Ich habe viel über mich selbst gelernt und später in Deutschland einiges von meinem Verhalten in Frage gestellt. 

In diesem Blogpost möchte ich Dir gerne erzählen, was ich aus den Gesprächen mit den Kubanern mitgenommen habe und vielleicht regt es Dich selbst auch zum Nachdenken an.

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Ich habe angefangen mein Konsumverhalten zu überdenken

 

Stichwort Minimalismus – ein Wort, dass mir vorher nie durch den Kopf schwirrte. Anders als heute, ein halbes Jahr nach Kuba. 

Dazu hatte ich ein unglaublich inspirierendes Gespräch mit einer älteren kubanischen Dame, unserer Vermieterin in Viñales. Natürlich hat sie den Begriff nicht benutzt, aber die Message war die selbe: muss man Dinge wirklich besitzen um glücklich zu sein? 

Sie erzählte meiner Cousine, mit der ich unterwegs war, und mir, dass sie und ihre Familie nur das Nötigste haben. Jetzt mag man sagen, dass es in Kuba einfach nicht die Möglichkeit gibt Dinge zu konsumieren wie wir es tun und sie das deswegen sagen muss. Aber trotzdem (oder genau deswegen) fehlte es ihnen an nichts und sie wirkte zumindest sehr glücklich und ausgeglichen. 

Ihr Geld gaben sie lieber für Genuss, wie beispielsweise gutes Essen aus.  Und wenn ich mich so umblickte in ihrer Wohnung war da wirklich nicht viel. Aber doch genug: ein Dach über den Kopf, ein großer Garten mit eigenem Obstanbau, ein voller Kühlschrank, ein liebevolles Heim und eine tolle Familie, die jeden Abend zusammensaß und viel miteinander gelacht hat. 

Ich merke es ja auf Reisen auch immer wieder, wenn ich längere Zeit nur aus meinem Rucksack lebe und selbst davon nicht alles anziehe oder benutze, wie wenig ich eigentlich wirklich brauche.  

Für mich hat das folgende Auswirkungen gehabt: seit einem halben Jahr miste ich die Wohnung, in der ich mit meinem Freund wohne, Stück für Stück aus. Es gibt so viele Dinge, die wir noch besitzen, die aber keinerlei positiven Effekt auf uns haben. Sie sind einfach nur da. Verursachen Chaos, Unwohlsein oder schlimmer noch: Schuldgefühle („das kann nicht weg, das habe ich ja geschenkt bekommen“).  

Außerdem konsumiere ich viel bewusster. Ich kaufe nicht mehr spontan irgendetwas ein, um mich zu „belohnen“ oder um mich „besser zu fühlen“. Es sind nur Dinge. Mir geht es viel besser, seitdem ich nur noch eine bestimmte Anzahl von Klamotten im Schrank habe und mir wirklich über jeden Kauf (egal ob Klamotten oder andere materielle Dinge) Gedanken mache. 

Dieses Thema würde jetzt den Rahmen dieses Artikels sprengen, aber Du siehst wo das Ganze hinführt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass dieser Familie, die so viel weniger an Besitztümern hatten als wir, irgendwas gefehlt hat. 

 

Selbstliebe ist auf Kuba das Normalste auf der Welt

 

Natürlich muss man mit solchen Pauschalaussagen aufpassen. Aber ich muss schon sagen, dass die Kubanerinnen vor Selbstbewusstsein und Weiblichkeit nur strotzen. Ich fand das einfach inspirierend, weil es dort so einfach schien mit sich selbst im Reinen zu sein. 

Woran ich das festmache? Zum einen muss man sich die Kubanerinnen auf der Straße nur mal anschauen: lebensfrohe Frauen mit einer unglaublich positiven Ausstrahlung. Egal welches Alter oder Aussehen. 

Zum anderen habe ich mich darüber mit einer jungen Kubanerin auch unterhalten und sie meinte, dass es einfach von klein auf ganz normal ist ein positives und gesundes Körperbewusstsein zu haben. Ich denke, wenn es von der Gesellschaft schon so als normal angesehen wird mit sich selbst im Reinen zu sein, stellt sich einfach niemand mehr selbst in Frage. 

 

Mit Dankbarkeit kommt man immer weiter

 

Dieses Gespräch fand ebenfalls wieder mit unserer Vermieterin in Viñales statt. Sie erzählte uns von einem Sturm, der vor ein paar Jahren viele Häuser in Viñales zerstört hat – unter anderem auch das ihrer Familie. Sie bauten sich alles selbst wieder auf. 

Anstatt traurig oder wütend zu sein und darüber nachzudenken, wie schwierig es wird alles wieder aufzubauen, war sie einfach dankbar dafür, dass ihrer Familie nichts zugestoßen ist. Die ganze Familie packte mit an und wuchs durch diesen Zwischenfall noch viel mehr zusammen.

Sie erzählte mir außerdem, dass sie froh sei kein Auto zu haben. Sie habe zwei gesunde Beine und könne alles mit dem Fahrrad erledigen. Was nütze einem der Besitz von vielen Dingen, wenn man zum Beispiel krank ist… 

Dann kam ein Nachbar um die Ecke und die beiden begannen darüber zu sprechen, dass viele Menschen immer denken, dass alle Kubaner unbedingt in die USA möchten. Das trifft vielleicht auf einige zu, aber sie zählten mir die vielen Vorteile Kubas auf und dass sie einfach dankbar sind hier leben zu können. Die kostenlose Krankenversicherung war da nur ein Argument. 

Es ist also immer Ansichtssache und genau deswegen ist es wichtig für das, was man hat dankbar zu sein, anstatt an all das zu denken was einem vermeintlich fehlt.

Wundervolle weitere Tipps dazu findest Du in Vanys tollem Beitrag über Achtsamkeit

 7 Tipps, wie Du Achtsamkeit im Alltag lebst

 

Jeder ist seines Glückes Schmied

 

Auf Kuba ist es so, dass jeder am Anfang des Monats noch Essensmärkchen bekommt. Damit erhält man quasi die Basics: Reis, Bohnen, Wasser. Es muss also niemand hungern. 

Darüber habe ich mit einem verheirateten Paar gesprochen. Wem die Basics nicht reichen, der muss natürlich arbeiten gehen. Der Gedanke daran, dass ihnen Reis und Bohnen nicht ausreichen, führte dann soweit, dass sie sich irgendwann ein kleines Imperium in Havanna aufgebaut haben. 

Zuerst haben sie ein Zimmer bei sich in der Wohnung vermietet – das klassische „Casa Particular“-Geschäft also. Irgendwann haben sie dann angefangen Kochkurse für Touristen in ihrer eigenen Wohnung anzubieten. Auch heute noch gibt es die Kochkurse, in denen einem die kubanische Küche näher gebracht wird. 

Der Andrang war so groß, dass sie irgendwann genügend Geld gespart hatten um eine Wohnung in Havanna zu kaufen, die sie nun ebenfalls vermieten. Irgendwann kam sogar eine zweite Wohnung dazu. Aber das reichte der Familie nicht. 

Für Kubaner ist es unglaublich schwierig das Land zu verlassen um zu Reisen. Es ist schwierig, da es mit einer Menge Auflagen verbunden ist, aber nicht unmöglich. 

Der große Traum der Familie war es Europa zu sehen. Sie haben sehr lange dafür gekämpft: es waren unzählige Besuche beim Amt. Ein Vorteil war, dass sie sich schon so etwas Großes in Havanna aufgebaut hatten und damit die Botschaften in Europa überzeugen konnten. Ihr seht schon was das für unvorstellbare Ausmaße sind. 

Nach drei Jahren war es dann aber so weit: sie hatten die Bestätigung und konnten nach Europa fliegen. Inzwischen waren sie in den Niederlanden, Italien, Spanien und sogar in Deutschland. 

Ich möchte nicht schönreden, dass es dieses Problem auf Kuba gibt und ich denke für uns alle ist es nicht vorstellbar, was es bedeuten muss, nicht reisen zu können. 

Aber diese Familie hatte einen Traum und sie haben alles dafür getan um reisen zu können. Ich fand das super motivierend, denn in unseren Köpfen sind vielleicht andere Glaubenssätze fest verankert, die uns weismachen wollen: „das schaffe ich nie“.

 

Ich esse jetzt viel bewusster und nehme es
nicht mehr als selbstverständlich hin

 

Auch hier ist es eigentlich wieder ein Problem der Kubaner, das ich anspreche und trotzdem finde ich es bemerkenswert wie damit umgegangen wird. Wenn Du schon mal auf Kuba warst und in einen Supermarkt gegangen bist, dann wirst Du wissen wovon ich spreche: leerstehende Regale und manche Regale sind mit ein und demselben Produkt gefüllt. Die Nachwehen der Planwirtschaft: es gibt eben einfach das, was da ist. 

Ich habe das am eigenen Leib erfahren, als ich in Playa Larga ein Duschgel kaufen wollte und es einfach im gesamten Ort kein Duschgel gab. 

Ich sehe heute unsere Supermärkte mit ganz anderen Augen, denn bei uns gibt es 50 verschiedene Duschgele. Dasselbe gilt fürs Essen. In Havanna haben wir jeden Morgen ein Frühstück von unserem Vermieter bekommen. 

Da meine Reisebegleitung kein Fleisch isst, haben wir ihn nach Käse für den nächsten Tag gefragt. Am nächsten Tag war kein Käse auf dem Teller, aber auch kein Fleisch – dafür Unmengen an frischem Obst, Honig und ein selbstgemachter Aufstrich. 

Laut seiner Aussage, habe er keinen Käse auf dem Markt bekommen. Er war sogar bei zwei weiteren Märkten, aber er habe dort auch keinen gefunden. Man kann sich nicht vorstellen in Deutschland in drei verschiedenen Supermärkten so etwas (für uns) Banales wie Käse nicht zu bekommen. 

In den ländlicheren Gebieten haben die Kubaner teilweise ihr eigenes Obst und Gemüse angebaut, hatten eigene Hühner und sogar Kühe. Das war nicht nur lecker, sondern hat mir auch gezeigt, wie wenig Bezug ich eigentlich zu unserem Essen in Deutschland habe. Ich kaufe eben das ein, worauf ich gerade Lust habe. Es gibt ALLES. Woher das Essen kommt – darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. 

Jetzt esse ich viel bewusster und bin dankbar, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben so viel Unterschiedliches zu essen und uns mit allem zu versorgen was wir brauchen. Ich achte jetzt auch viel mehr darauf nichts wegzuschmeißen, nur das Nötigste zu kaufen und alle Reste rechtzeitig zu verwerten. 

Ich bin voller Dankbarkeit für die kurzen und langen Gespräche und die intensiven und weniger intensiven Begegnungen mit den Einheimischen. Sie alle haben meine Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht und lassen mich voller Sehnsucht auf meinen nächsten Flug nach Kuba warten. 

Ich kann natürlich nur von meinen Begegnungen sprechen. Vielleicht gibt es auch Menschen, die nicht so positive Erfahrungen auf Kuba gemacht haben. Und sicherlich möchte ich auch nicht alle Probleme auf Kuba schönreden. 

Aber es hat mich beeindruckt wie die Menschen dort mit dem Leben umgehen und welche Weisheiten sie verinnerlicht haben, die für unsere Gesellschaft noch einen langen Weg bedeuten. 

Ich höre oft Dinge wie „Kuba ist wie eine Zeitreise, weil die Menschen uns noch so hinterher sind“. Dabei sind sie uns unbewusst in ganz vielen Dingen weit voraus.   

 

Hallo! Ich bin Vany und im ständigen Reisefieber. Egal ob ein Roadtrip durch Portugal, Abenteuer in Thailand oder wandern in Österreich – ich bin einfach gerne unterwegs.  Neben ganz vielen Reiseberichten findet ihr auf meinem Blog aber auch Tipps für ein glückliches Leben – positive vibes eben! <3 Ich würde mich freuen, wenn ihr auf Vany Visits vorbei schaut.

 

Comments(2)

  • 17. Juli 2018, 15:53  Antworten

    Juhuuu, er ist online :) Danke liebe Carina <3

    • Carina
      17. Juli 2018, 16:46

      Super gerne :) Dein Beitrag ist so schön geworden, danke!

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