Nice to meet you, Yangon.


Yangon, Myanmar. Eine wahnwitzige Hauptstadt, die nicht mehr Hauptstadt ist und doch mehr Metropole als alle anderen Städte in Burma. Dieser Stadt, die mich von der ersten Sekunde an eingenommen, mit voller Wucht überfahren und ausgelaugt und letztlich zutiefst fasziniert hat, möchte ich heute die Ehre erweisen. Trotz immenser Startschwierigkeiten und einem immer noch dumpfen Gefühl wenn ich an Yangon denke möchte ich sagen: Nice to meet you.

Die Fremde

Es ist nicht Bangkok. Nicht Phnom Penh oder Ho Chi Minh, es ist ganz anders als alle südostasiatischen Großstädte, die ich kennen gelernt habe. Es ist fernab von vielem, was ich gesehen, gerochen und gespürt habe. Yangon hat eine eigene Mentalität, die sich so fremd anfühlt, wie ich es noch nie zuvor wahrgenommen habe. So fremd es sich anfühlt, bin ich die Fremde, die in einen Alltag eindringt, der nach einer anderen Zeitrechnung zu ticken scheint.

Ich laufe alleine durch Straßen. Wenn sie existieren über hohe, zerklüftete Bürgersteige mit Meter großen Löchern, in denen Plastikmüll versinkt und die blutroten Betelnuss Reste gespuckt werden. Im Dunkeln bevorzuge ich die unbeleuchtete Straße, um den Löchern ohne Boden zu entgehen. Es wimmelt von Menschen in den engen Straßen zwischen verlebten Kolonialbauten, Stromkabeln und Satellitenschüsseln, in denen ich die einzige Reisende bin und eine der wenigen Frauen.

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Das Roller-Verbot

Ich laufe mir die Füße platt, absichtlich, um die Atmosphäre aufzusaugen und dem Leben ganz nah zu sein und unabsichtlich, weil sich mir die Fortbewegungsmöglichkeiten zu den Orten, zu denen ich möchte nicht erschließen. Roller sind in Yangon verboten und so könnte ich versuchen dem Taxifahrer mit Hand und Fuß mein Ziel zu erläutern, da mein burmesischer Wortschatz sich auf fünf Wörter begrenzt und sein englischer ebenso rar bestückt ist. Stattdessen wähle ich den Weg, der auf der Karte wie ein entspannter Spaziergang an einer Uferpromenade aussieht, der sich jedoch als staubige, betonierte Schnellstraße herausstellt.

Und nicht fernab der Straße ist das Leben, wonach ich suchte. Offene Mauern offenbaren mir den Blick aus dem Dunst in die Realität. Kinder, die auf längst still gelegten Eisenbahnschienen spielen, Frauen, die sich komplett angezogen waschen, bare Unterkünfte. Und viele große, dunkle Augenpaare, die mich anschauen.

Die Insel in Yangon

Ich laufe die nicht enden wollende Straße entlang, schon von weitem sehe ich den goldenen Kegel. Mein Ziel ist nicht zu verfehlen. Autos brettern an mir vorbei und ich bin erleichtert als ich endlich die Treppen zu dem wohl touristischsten Ort in Yangon hinaufsteige: die Schwedagon Pagode.

Was habe ich mir unter touristisch vorgestellt? Viele Westler, eine überfüllte Plattform vor allem zu der Stunde, in der ich die Pagode betrete – am späten Nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang.
Als ich die Plattform erklimme sehe ich einige Menschen, wenige so bleich wie ich. Doch die goldene Stupa, die sich vor mir gen Himmel erstreckt zieht sofort meine volle Aufmerksamkeit auf sich. Hier ist alles Gold, was glänzt. Und es blendet mich fast, so unfassbar gülden strahlt sie mich an.

Ich wandele barfuß, eingehüllt in einem Schal über den kühlen Marmor. Überwältigt von dem Prachtbau in Gold, der einträchtig neben grandiosem Kitsch wie blinkenden LED Heiligenscheinen vor sich hin funkelt, streife ich über das Areal, auf dem sich die Menschen zu verlieren scheinen – in den vielen kleinen Anbetungsstätten, für jede Gelegenheit und Gebrechlichkeit eine, und in ihrem Glauben an Buddha, der von einer kräftigen Prise Übernatürlichkeit durchzogen ist.

yangon rangoon myanmar schlafen an der schwedagon pagode
yangon-rangoon-myanmar-schwedagon-pagode-aufstieg yangon rangoon myanmar- mönche an der schwedagon pagode
yangon rangoon myanmar - mönche an der schwedagon pagode
yangon rangoon myanmar - beten an der schwedagon pagode

Free Wifi

Ich verliere mich in der unbegreiflichen Ruhe, die die Schwedagon ausstrahlt. Dieser Ort nimmt einen voll und ganz ein. Die Erhabenheit sowie die Skurrilität, dass es an einem solchen Heiligtum kostenloses Wifi gibt sperren die Erinnerungen an die drückende Hitze des Tages und die Wucht Yangons aus.
Mit dem Untergang der Sonne nimmt das, was ich unter jemals Gold verstanden habe neue Ausmaße an. Als die völlige Dunkelheit hereingebrochen ist erscheint die Stupa in einem über- nein, meta-gold. Gleichermaßen scheint die Ehrfurcht und Inbrunst der Betenden übersinnliche Maße anzunehmen, der Marmor ist eingenommen von Hunderten von Gläubigen.

Wann ist es Zeit zu gehen? Ich kann mich nicht satt sehen an den Farben und den Menschen. Und doch schaffe ich es irgendwie meine Blicke von diesem wundersamen Ort zu reißen, wandere benebelt die endlos lange Straße entlang, geblendet von den Scheinwerfern, die mir entgegen kommen, hinein in die Stadt, die mich ein weiteres Mal verschluckt.

yangon (rangoon) myanmar gebäude
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Welche Stadt hat Dich überwältigt?

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Comments(1)

  • 25. Februar 2014, 10:35  Antworten

    Dein Beitrag kommt gerade richtig! Mir kribbelt es richtig im Bauch, wenn ich Deinen Beitrag über Yangon lese. Nächsten Montag geht für mich hin. Voller Erwartung, aber auch mit etwas Angst! Deine Beiträge sind übrigens bisher sind eine große Hilfe für meine Reisevorbereitungen. Vielen Dank!

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