Warum ich wieder eine Therapie mache 🎵

Ich habe diesen Beitrag für Dich eingesprochen | Hördauer: 5 Minuten

Es gibt einige gute Gründe in meinem Leben, warum ich schon mehrere Therapien gemacht habe. Ambulant, stationär, mal durchgezogen, mal abgebrochen. Jede dieser Therapien hat mir etwas gezeigt. Manchmal war der Output ersichtlicher und manchmal habe ich erst nach Jahren verstanden, was die Behandlung mit mir gemacht hat.

Nach der letzten Therapie – ein zweimonatiger stationärer Aufenthalt 2010, den ich an einem sehr entscheidenen Punkt, wie ich heute weiß, abgebrochen habe – war für mich klar: ich kann das nicht. Die klassische tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist nichts für mich. Und eigentlich habe ich mich auch ganz okay gefühlt.

Warum in alten Geschichten rumkramen, wenn ich mit dem Geist doch alles verstanden habe, Muster erkannte und einigermaßen kontrollieren konnte.

 

LITTLE DID I KNOW

 

Seit 2010 habe ich viele eigene Strategien entwickelt, um mich selbst zu therapieren. Laufen war meine Therapie, das Reisen, der Aufbau eines geregelten Lebens und damit letztlich nur die Ablenkung von mir selbst bis ich gecheckt habe, das ich das mit „geregelt“ nicht kann und seit 2014 mein eigenes Ding durchgezogen habe.

Heute weiß ich wie sehr ich an der Oberfläche gekratzt habe. Und dass manche, wenn nicht die meisten Probleme, erst aufgelöst werden können, wenn man sie mit dem Herzen verstanden hat und nicht nur mit dem Kopf.

 

PUZZLED

 

In den vergangenen Jahren habe ich schmerzhaft erfahren müssen, welche destruktiven Verhaltensweisen ich mir angeeignet habe, um mich vor Gefühlen aller Art zu schützen. Meine Reise nach Bali im letzten Dezember hat mir dann den Boden unter den Füßen weggezogen und ich fühlte mich ohnmächtig. Ich wusste weder vor noch zurück.

Mein Vipassana im Januar hat mir anschließend die Augen geöffnet. Ich habe mich an Situationen aus meiner Kindheit erinnert, die ich jahrzehntelang begraben hatte. Nun waren sie wieder da und ich fand immer mehr Puzzleteile, die dem großen Ganzen einen Kontext boten. Ich begann mich besser zu verstehen, dieses Mal aber auf Gefühlsebene.

 

KOPF VS. HERZ

 

Lange Zeit wollte ich gesund werden, mich heilen, ganz sein. Mein Verstand sagte: ja, ich will es, ich muss es, ich brauche es.

Was ich dabei übersah – oder es gar nicht erst zu Wort kommen ließ – war, was mein Herz wollte.

Mein Kopf war bereit Dinge zu verarbeiten und zu verstehen, doch meine Gefühle waren es noch nicht. Egal wie tief ich einstieg, ich kratzte emotional doch nur an der Oberfläche. Die destruktiven Muster hielten an – natürlich, da sie weiterhin einer Schutzfunktion dienten.

Der Kopf kann nicht einfach sagen: So, nun haben wir alles einmal durchgekaut, jetzt kannst Du aufhören mit dem Quatsch, der Dir nicht gut tut.

Bei mir war die Arbeit auf Verstandesebene die perfekte Ablenkung vor dem, was ich schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten umgehe – die Auseinandersetzung mit meinen Gefühlen.

 

WARUM WIEDER EINE THERAPIE?

 

Als ich mich vor einigen Monaten dazu entschieden habe, wieder eine Therapie zu beginnen, war mir klar: ich bin bereit. Zumindest für diesen Teil. Ich kann loslassen.

Auch wenn sich vor Therapiebeginn alles in mir dagegen gesträubt hat und ich es plötzlich doch für eine sehr schlechte Idee hielt wieder den klassischen Therapieweg zu gehen – das Ego hat es nicht gern, wenn an ihm gekratzt wird.

Heute, ein Monat nach Therapiebeginn, bin ich aus tiefstem Herzen davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war und das jetzt die Zeit für mich gekommen ist, mich meinen Gefühlen zu stellen.

Denn alles hat seine Zeit. Verstehen, Gefühle und Heilung; destruktive Verhaltensmuster, die einen lange Zeit davor beschützt haben, tiefer zu fallen; Traumatas, die aus einem guten Grund so tief begraben sind, weil man vorher vielleicht an ihnen zerbrochen wäre.

Ich bin auf dem richtigen Weg.

 

Comments(4)

  • 23. Dezember 2017, 11:19  Antworten

    Wow. Danke das du immer so ehrlich zu uns Lesern bist. Ich wünsche dir alles Gute bei der Therapie und hoffe du findest Heilung (wobei ich mich manchmal frage ob man je ganz geheilt sein kann/wird oder einfach nur besser darin wird damit zu leben/umzugehen). Bist ein großes Vorbild (zusammen mit Andrea) für mich in diesen Bereichen und wünsche dir von Herzen alles gute, Frohe Weihnachten und schöne Feiertage :)

    • Carina
      23. Dezember 2017, 11:28

      Jasmin, ich danke Dir, dass Du mich und uns auf unserem Weg begleitest und Du dazu bereit bist Deinen eigenen Weg zu gehen. Die Frage, ob man je ganz geheilt sein wird, stelle ich mir auch oft. Ich denke, zu lernen wie man damit umgeht ist bereits ein großes Geschenk und vielleicht reicht es auch. Danke, dass Du dabei bist und ich wünsche Dir auch ganz wundervolle Feiertage <3

  • Lisa
    3. Januar 2018, 00:33  Antworten

    Danke für deine Ehrlichkeit, Carina! Ich kann dich sehr gut verstehen, da es mir ähnlich geht. Lange habe ich versucht mit Verstand und Kopf meine Probleme lösen zu wollen. Aber erst jetzt wo ich mein Herz öffne und meinen Gefühlen Freiraum gebe, komme ich näher an den Kern heran. Ich wünsche dir viel Kraft und hoffe, dass dir die Therapie hilft!

    • Carina
      3. Januar 2018, 15:26

      Danke für Deine Worte und dass Du das mit mir teilst, Lisa! Manchmal braucht es einfach Zeit, bis man so weit ist alle Gefühle zuzulassen. Danke für Deinen Mut. Ich wünsche Dir ebenfalls nur das Beste!

Leave a Comment