Warum ich wieder eine Therapie mache ­čÄÁ

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Es gibt einige gute Gr├╝nde in meinem Leben, warum ich schon mehrere Therapien gemacht habe. Ambulant, station├Ąr, mal durchgezogen, mal abgebrochen. Jede dieser Therapien hat mir etwas gezeigt. Manchmal war der Output ersichtlicher und manchmal habe ich erst nach Jahren verstanden, was die Behandlung mit mir gemacht hat.

Nach der letzten Therapie ÔÇô ein zweimonatiger station├Ąrer Aufenthalt 2010, den ich an einem sehr entscheidenen Punkt, wie ich heute wei├č, abgebrochen habe ÔÇô war f├╝r mich klar: ich kann das nicht. Die klassische tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist nichts f├╝r mich. Und eigentlich habe ich mich auch ganz okay gef├╝hlt.

Warum in alten Geschichten rumkramen, wenn ich mit dem Geist doch alles verstanden habe, Muster erkannte und einigerma├čen kontrollieren konnte.

 

LITTLE DID I KNOW

 

Seit 2010 habe ich viele eigene Strategien entwickelt, um mich selbst zu therapieren. Laufen war meine Therapie, das Reisen, der Aufbau eines geregelten Lebens und damit letztlich nur die Ablenkung von mir selbst bis ich gecheckt habe, das ich das mit ÔÇ×geregeltÔÇť nicht kann und seit 2014 mein eigenes Ding durchgezogen habe.

Heute wei├č ich wie sehr ich an der Oberfl├Ąche gekratzt habe. Und dass manche, wenn nicht die meisten Probleme, erst aufgel├Âst werden k├Ânnen, wenn man sie mit dem Herzen verstanden hat und nicht nur mit dem Kopf.

 

PUZZLED

 

In den vergangenen Jahren habe ich schmerzhaft erfahren m├╝ssen, welche destruktiven Verhaltensweisen ich mir angeeignet habe, um mich vor Gef├╝hlen aller Art zu sch├╝tzen. Meine Reise nach Bali im letzten Dezember hat mir dann den Boden unter den F├╝├čen weggezogen und ich f├╝hlte mich ohnm├Ąchtig. Ich wusste weder vor noch zur├╝ck.

Mein Vipassana im Januar hat mir anschlie├čend die Augen ge├Âffnet. Ich habe mich an Situationen aus meiner Kindheit erinnert, die ich jahrzehntelang begraben hatte. Nun waren sie wieder da und ich fand immer mehr Puzzleteile, die dem gro├čen Ganzen einen Kontext boten. Ich begann mich besser zu verstehen, dieses Mal aber auf Gef├╝hlsebene.

 

KOPF VS. HERZ

 

Lange Zeit wollte ich gesund werden, mich heilen, ganz sein. Mein Verstand sagte: ja, ich will es, ich muss es, ich brauche es.

Was ich dabei ├╝bersah ÔÇô oder es gar nicht erst zu Wort kommen lie├č ÔÇô war, was mein Herz wollte.

Mein Kopf war bereit Dinge zu verarbeiten und zu verstehen, doch meine Gef├╝hle waren es noch nicht. Egal wie tief ich einstieg, ich kratzte emotional doch nur an der Oberfl├Ąche. Die destruktiven Muster hielten an ÔÇô nat├╝rlich, da sie weiterhin einer Schutzfunktion dienten.

Der Kopf kann nicht einfach sagen: So, nun haben wir alles einmal durchgekaut, jetzt kannst Du aufh├Âren mit dem Quatsch, der Dir nicht gut tut.

Bei mir war die Arbeit auf Verstandesebene die perfekte Ablenkung vor dem, was ich schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten umgehe ÔÇô die Auseinandersetzung mit meinen Gef├╝hlen.

 

WARUM WIEDER EINE THERAPIE?

 

Als ich mich vor einigen Monaten dazu entschieden habe, wieder eine Therapie zu beginnen, war mir klar: ich bin bereit. Zumindest f├╝r diesen Teil. Ich kann loslassen.

Auch wenn sich vor Therapiebeginn alles in mir dagegen gestr├Ąubt hat und ich es pl├Âtzlich doch f├╝r eine sehr schlechte Idee hielt wieder den klassischen Therapieweg zu gehen ÔÇô das Ego hat es nicht gern, wenn an ihm gekratzt wird.

Heute, ein Monat nach Therapiebeginn, bin ich aus tiefstem Herzen davon ├╝berzeugt, dass es die richtige Entscheidung war und das jetzt die Zeit f├╝r mich gekommen ist, mich meinen Gef├╝hlen zu stellen.

Denn alles hat seine Zeit. Verstehen, Gef├╝hle und Heilung; destruktive Verhaltensmuster, die einen lange Zeit davor besch├╝tzt haben, tiefer zu fallen; Traumatas, die aus einem guten Grund so tief begraben sind, weil man vorher vielleicht an ihnen zerbrochen w├Ąre.

Ich bin auf dem richtigen Weg.

 

Comments(4)

  • 23. Dezember 2017, 11:19  Antworten

    Wow. Danke das du immer so ehrlich zu uns Lesern bist. Ich w├╝nsche dir alles Gute bei der Therapie und hoffe du findest Heilung (wobei ich mich manchmal frage ob man je ganz geheilt sein kann/wird oder einfach nur besser darin wird damit zu leben/umzugehen). Bist ein gro├čes Vorbild (zusammen mit Andrea) f├╝r mich in diesen Bereichen und w├╝nsche dir von Herzen alles gute, Frohe Weihnachten und sch├Âne Feiertage :)

    • Carina
      23. Dezember 2017, 11:28

      Jasmin, ich danke Dir, dass Du mich und uns auf unserem Weg begleitest und Du dazu bereit bist Deinen eigenen Weg zu gehen. Die Frage, ob man je ganz geheilt sein wird, stelle ich mir auch oft. Ich denke, zu lernen wie man damit umgeht ist bereits ein gro├čes Geschenk und vielleicht reicht es auch. Danke, dass Du dabei bist und ich w├╝nsche Dir auch ganz wundervolle Feiertage <3

  • Lisa
    3. Januar 2018, 00:33  Antworten

    Danke f├╝r deine Ehrlichkeit, Carina! Ich kann dich sehr gut verstehen, da es mir ├Ąhnlich geht. Lange habe ich versucht mit Verstand und Kopf meine Probleme l├Âsen zu wollen. Aber erst jetzt wo ich mein Herz ├Âffne und meinen Gef├╝hlen Freiraum gebe, komme ich n├Ąher an den Kern heran. Ich w├╝nsche dir viel Kraft und hoffe, dass dir die Therapie hilft!

    • Carina
      3. Januar 2018, 15:26

      Danke f├╝r Deine Worte und dass Du das mit mir teilst, Lisa! Manchmal braucht es einfach Zeit, bis man so weit ist alle Gef├╝hle zuzulassen. Danke f├╝r Deinen Mut. Ich w├╝nsche Dir ebenfalls nur das Beste!

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