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Vegan in Südamerika?

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Ernährung auf Reisen ist immer so eine Sache. Gerade wenn man nur kurz unterwegs ist, lässt man seine Prinzipien gerne mal links liegen, frönt der örtlichen Esskultur und schlägt mehr als einmal über die Stränge.

Natürlich nicht zu unrecht! Wer weiß, wann man mal wieder in das Land und in den Genuss solch exotischer Speisen kommt. Wie mit den Sehenswürdigkeiten heißt es:

Alles ausprobieren, nichts verpassen!

Wenn man jedoch länger unterwegs ist (wie ich zum Beispiel nun im 10. Monat meiner Südamerika Reise), kann und muss man nicht einfach alles sinnlos in sich reinstopfen. Einerseits hat man eh genug Zeit, um verschiedene Gerichte auszuprobieren, andererseits macht sich das Ganze, vor allem bei mir (Hand aufs Herz, wem es auch so geht!), nur zu gerne und zu schnell auf den Hüften bemerkbar.

Und da helfen auch meine vielen Sporteinheiten wenig, denn ganz nach der 80/20 Regel macht die richtige Ernährung 80% des Erfolges aus. Sport ist nur das i-Tüpfelchen oben drauf mit 20%.

Hinzu kommt, dass man als (Hobby-)Sportler ordentlich nachhaltige Energie braucht, in Form von vollwertigen, natürlichen und frischen Lebensmitteln. Und keinen raffinierten Schrott, der Insulin-Tsunamis verursacht. Denn nach ihm die Sintflut und noch mehr Schrott und der Food-Hangover am nächsten Morgen.

Doch wie schafft man es sich auch auf einer langen Reise dauerhaft ausgewogen und gesund zu ernähren?

Hier in Südamerika habe ich selbst einige Zeit gebraucht, um einen richtigen Weg für mich zu finden. Während mir meine regelmäßigen Sporteinheiten keinerlei Probleme verursacht haben, hat es mit der Ernährung die ersten Monate ziemlich gehapert.

Ich kann selbst nicht genau sagen woran es lag.

Die Umstellung aufs Langzeitreisen, der Druck, der schrittweise von mir abfiel oder auch einfach nur die unwiderstehlichen Alfajores in Argentinien…

Es mag einige gute Gründe geben und ich denke auch, gerade wenn man am Anfang einer großen Reise steckt, sollte man sich in dem Bereich nicht stressen.

Auf Dauer zahlt sich eine gesunde Ernährung aber ganz klar aus

  • Du hast mehr Energie für Deine aufregenden Abenteuer (Rafting, Ziplinen und den ganzen Spaß)
  • Du bist belastbarer (für lange Auto-/Busfahrten und akute „WO SOLL ICH HEUTE NACHT SCHLAFEN?!“ Situationen)
  • und Dir geht es einfach rundum besser.

Zudem sollten wir uns den morgendlichen Hangover doch lieber für den letzten Gin Tonic, der ein wenig über das Ziel hinausgeschossen hat, aber sooo gut war, aufsparen statt für Fastfood.

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… oder eben für fünf dieser Ananas-Energie-Booster von meiner Freundin Lina!

Das alles lässt sich natürlich auch auf Deinen Alltag zu Hause projizieren.

Kommen wir zum Punkt.

Seit etwa 2 Jahren Jahren setze ich mich intensiv mit dem Thema Veganismus auseinander.

Es begann mit Vegan For Fit und Skinny Bitch, ging weiter mit den Dokumentationen Earthlings und Food Inc. und mündete letztes Jahr im betrachtlichen Anstieg veganer Instagram Accounts und Youtube Kanäle.

Mittlerweile kommt es mir vor, als würde sich fast jeder vegan ernähren. Zumindest in Deutschland und in den USA.

Das finde ich klasse, weil man merkt, dass sich die Leute endlich mehr Gedanken machen, woher ihr Essen im Supermarkt und auf dem Teller eigentlich kommt und unter welchen Umständen es produziert wird.

Mit ihrer Entscheidung geben sie auch den Menschen in ihrer Umgebung Grund sich mit der Herkunft der Lebensmittel auseinanderzusetzen und in Zukunft die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Vegane Ernährung = immer gesund?

Vegane Ernährung ist natürlich nicht gleichbedeutend mit gesunder Ernährung. Das meiste (Weiß-)Brot ist vegan, Zucker, pflanzliches Öl und natürlich Oreo-Kekse. Man kann sich also auch als Veganer hervorragend ungesund ernähren.

Doch die meisten Veganer machen es eben nicht. Denn es geht ihnen nicht nur um die haarsträubenden Zustände der Produktion tierischer Lebensmittel, sondern auch um die Bestandteile, die sie ihrem Körper mit der Nahrung zuführen.

Und ich bin der Meinung, dass sich davon jeder, ob Fleischesser oder Vegetarier, eine ordentliche Scheibe abschneiden kann.

Das Reisen hat mir in vielerlei Hinsicht auch auf
Ernährungs-Ebene mal wieder die Augen geöffnet.

Mein Körper und vor allem mein Kopf braucht Energie, um die unzähligen neuen Informationen, die täglich auf mich einprasseln verarbeiten zu können und dafür kann ich nicht einfach nur irgendwelchen Mist in mich reinstopfen.

Zudem entsetzt mich der horrende Fleischkonsum in Südamerika sehr. So viele Steaks und Würstchen wie sie hier verzehren, können einfach nicht unter würdigen Bedingungen entstanden sein (abgesehen davon, dass der Akt der Tötung an sich nie würdig ist, egal wie bio das Lebewesen aufgewachsen ist).

Und trotzdem muss ich zugeben:
Ich ernähre mich nicht zu 100% vegan.

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Das hängt tatsächlich vor allem mit meiner Reise durch Südamerika zusammen. Ich weiß, dass Vollblut-Veganer das natürlich nicht gelten lassen und sie der festen Überzeugung sind, dass man sich überall vegan ernähren kann.

Theoretisch ja.

Doch das Reisen in so fleischfreudigen Ländern wie hier in Südamerika erschwert den Umstand um ein vielfaches. Insbesondere weil es so gut wie keine pflanzlichen Ersatzprodukte gibt oder wenn man dann doch eine Mandelmilch gefunden hat, 7 Euro dafür auf den Tisch legen muss. Autsch.

Natürlich könnte man sich auch von Obst und Gemüse ernähren, die es hier ja zuhauf reif und prall und frisch gibt.

Wenn das alles bio wäre, klar!

Doch leider gibt es in den wenigsten südamerikanischen Ländern gesetzliche Regulationen für den Einsatz von Pestiziden und sonstigem chemischen Quatsch und so gleicht der Genuss eines Gemüsetellers oft mehr einer einem chemischen Eisbein statt einer Vitamin- und Nährstoffbombe.

Mal ganz abgesehen von den hygienischen Zuständen, vor allem in Bolivien und Peru, unter denen man sich selbst mit einer harmlosen Papaya eine ordentliche Magen-Darm-Geschichte einfangen kann.

Und dann wäre da noch…

… der kleine Entdeckergeist in mir, der doch ein wenig der einheimischen Küche probieren möchte und der Faulenzer, der nicht sieben Tage die Woche kochen will.

Ich verzichte auf Fleisch und Fisch und versuche den Großteil meines Tages ohne tierische Produkte zu gestalten. Und das nicht nur aus tierfreundlichen Prinzipien, sondern auch weil ich merke, dass es mir gut tut. So richtig gut.

Leider ist es (wenn man nicht gerade nur in Großstädten unterwegs ist) extrem schwierig auch nur eine vegetarische Variante eines Gerichts zu finden – vegan: undenkbar! Milch, Yoghurt oder Ei sind quasi unumgänglich, wenn man die lokale Küche zumindest im Ansatz entdecken möchte.

Vegan ist in Südamerika leider immer noch ein Fremdwort.

Und so landet dann doch wieder ein tierisches Produkt auf meinem Teller, auch wenn ich es besser wüsste und ich weiß, dass es mir ohne besser geht, dass ich ohne mehr Energie für meinen Sport habe und mich wohler fühle in meinem Körper.

Es darf natürlich jeder für sich selbst entscheiden, wie er das handhabt.

Aber ich denke, selbst wenn man leidenschaftlicher Steak- und Burger-Fan ist macht es Sinn sich über das Thema Veganismus zu informieren und ein Bewusstsein zu schaffen für das, was auf dem Teller landet. Egal ob in Europa, Südamerika oder wo auch immer man in der Welt ist.

Da mich vegane Ernährung auf meiner Reise mehr beschäftigt als je zuvor (vermutlich gerade weil es hier so gut wie keine tierfreien Alternativen gibt), habe ich letztens ein Video auf meinem Youtube Kanal dazu gedreht, in dem ich ein paar vegane Produkte aus Peru zeige und welche Hürden man in Peru und Bolivien hat, wenn man sich ohne tierische Produkte und nicht einseitig ernähren möchte:

Ressourcen

Wenn Du Dich weiter über Veganismus informieren möchtest, lege ich Dir folgende Links und Videos ans Herz:

Richtig essen, geiler Leben: Was ich auf meinen Reisen über Ernährung gelernt habe via Planet Backpack

10 Fragen zu meinem Lifestyle via Mandelmilch & Cashewmus

Kostenloses Email Startpaket von Bevegt (vegane Ernährung & Laufen)

Vegan Start – Die kostenlose 30 Tage Email-Serie zur Starthilfe in die vegane Ernährung von Peta

Tolle, einfache vegane Rezepte von meiner Freundin Corinna von Modephonie

Cheagan?

Youtube Kanäle

Andrea Morgenstern 

Rawberry Vegan

Das Rohkost 1×1

Eat Care Live

Foto Credits

Danke an meine liebste Freundin Lina von Mandelmilch & Cashewmus für die oberhammer-superleckeren Fotos! <3 Aufs entsprechende Bild klicken für das Rezept!

15 Kommentare

  1. Hey Carina! Wow, vielen Dank für deinen Beitrag. Ich bin gerade mit meinem Freund auf Weltreise und nächstes Jahr werden wir auch durch Südamerika reisen. Ich ernähre mich vegetarisch, esse aber trotzdem ungern Eier und Milchprodukte. Die Ernährung in Südamerika macht mir jetzt schon Bauchschmerzen. Nun bin ich gerade ganz aus dem Häusschen, dass du schon so viel ausprobiert hast und so gute Tipps geben kannst. Außerdem bin ich erleichtert, dass du es schon 10 Monate dort “ausgehalten” hast. Das macht mir Mut. :) Lieben Dank und viele Grüße Caro

    • Carina sagt

      Aushalten lässt es sich und in größeren Städten findet man definitiv das ein oder andere vegetarische Restaurant! Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen Du machen wirst. Ich hoffe und denke, dass es in den nächsten Jahren mehr vegetarisch/vegane Optionen in Südamerika geben wird. Ich wünsche Euch auf jeden Fall eine Menge Spaß auf Eurer Weltreise :)

  2. Du sprichst mir aus der Seele! War letztes Jahr in Südamerika unterwegs und fand es essenstechnisch seeeehr herausfordernd. Einkaufen wird ne wahre Entdeckungsreise ( eher in bezug auf den ganzen crap der verkauft wird) und ich musste so einige male über meinen Schatten springen. Flexivegan ist super auf Reisen, denn Empanadas con queso sind einfach zu gut um wahr zu sein(: Enjoy weiterhin!

    • Carina sagt

      Mmmmmh, Empanadas ! Die mit Spinat fand ich immer am leckersten, nur gab’s sie so selten. Flexivegan oder Cheagan (wie Jared Leto es ausdrücken würde) ist auf jeden Fall etwas, was man auf Reisen in Betracht ziehen sollte (wenn man zumindest ein Stück der Essenskultur des Landes kennen lernen möchte). Dank Dir :)

  3. Jeder Schritt zählt Carina! Du machst das toll und ich kann nur aus eigener BolivienErahrung sagen, wie schwer es tatsächlich ist dirt konsequent vegan zu leben. Ich finde es toll, dass du deine Reichweite für Aufklärung nutzt und Menschen zeigst, dass man eben doch einfach sein bestes geben kann – wenn man denn will! :) Hut ab!

    • Carina sagt

      Danke, danke, danke liebe Sophia! Ohne Deine Tipps und Dein Mutzusprechen wäre ich vermutlich noch nicht so weit :)

  4. Tolle Tipps!
    Ich muss sagen, dass ich hauptsächlich auf tierische Produkte verzichte, weil ich einfach nicht will, dass jemand leiden muss und dann esse ich auch mal Oreokekse oder Chips. :D
    Wobei ich es nun schaffe, darauf zu verzichten. Auf Reisen klappt das leider nicht immer…

    • Carina sagt

      Oft sind Oreos oder Pommes leider fast die einzige Alternative… Solange es nicht jeden Tag darauf zurückfällt ist das aber noch erträglich ;)

  5. Was für ein interessanter Artikel, Carina. Ich war zwar selbst bisher nur in Nordamerika, wo rein pflanzliche Ernährung gar kein Problem ist, aber ich plane eine Südamerikareise und habe schon gehört, dass es dort eher schwierig ist, sich absolut fleischlos zu ernähren.
    In Deutschland ist es abgesehen von den Großstädten zum Teil auch noch schwer gesundes und pflanzliches Essen zu finde ich.
    Dein Beitrag ist absolut klasse und sehr lesenswert.
    Liebe Grüße,
    Lynn

    • Carina sagt

      Fleischlos empfand ich als kein Problem (außer den üblichen verdutzten Blicken), es wird eher schwierig bei frei von tierischen Bestandteilen.
      Es ist interessant zu hören, dass es auch in Deutschland schwer werden kann bei dem Thema. Dabei gibt es mittlerweile ja fast überall eine DM Filiale, die ja auch Alnatura Produkte anbieten, von denen viele vegan sind.
      Es bleibt auf jeden Fall spannend! Danke für Dein Feedback!

  6. Ohgott, ja, ich kann mich sehr gut erinnern. Als ich damals für 2 Monate dort durchgereist bin, hatte ich krasse Intoleranzen (das klingt vielleicht bescheuert :D), also Lebensmittel-Intoleranzen. In Deutschland konnte ich am besten mit frischer, veganer Ernährung dagegen angehen. In Südamerika, vor allem Patagonien: Grauslig, absolut grauslig. Das gipfelte dann leider darin, dass ich in Feuerland statt trekken zu gehen 7 Tage lang total flach lag.
    Hoffentlich kriegen die das mal in den Griff da unten, so ein riesiger Fleischkonsum, das hätte ich mir vorher echt nicht vorstellen können, dass man SO viel Fleisch verdrücken kann, bah. Aber generell ist Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit dort leider noch ein ziemliches Fremdwort. Schade für die Region der Erde, die ich so sehr liebe.
    Liebe Grüße
    /inka

    • Carina sagt

      Inka, mir ging/geht es genauso wie Dir! Auf einmal vertrage ich sogar keinen Käse und keine Milch mehr. Das spricht nicht gerade für die Qualität der hier erzeugten Milchprodukte…
      Tut mir Leid, dass es Dich gerade unten in Patagonien so hart erwischt hat :/ Und es tut mir auch in der Seele weh mitanzusehen, wie die Erde und die Tierwelt hier mancherorts behandelt wird. Entscheidender Stichpunkt hier auch Recycling…
      Ganz liebe Grüße an Dich zurück !

  7. Hallo Carina, toller Artikel! Das ist ja mega interessant. Kann verstehen, wenn du es nicht 100% “durchziehen” willst/kannst. Wir selbst haben zwar bis jetzt keine wissentlichen Ausnahmen gemacht, aber wir waren auch noch nie in einem Land, wo das so schwierig zu sein scheint. Dass vegan doch noch so unbedeutend in Südamerika ist, hätte ich gar nicht gedacht…
    Wir sind ja nun auch seit einem Monat auf veganer Weltreise und haben uns für die erste Zeit ordentlich mit Proviant eingedeckt, auch wenn es bis Dezember “nur” durch Süd Europa geht mit dem Camper. Aber das war auch ganz praktisch, denn hier in Italien (sind gerade am Gardasee) ist es z.B. relativ teuer und die Franzosen sollen mit vegan auch noch nicht so viel anfangen können

    • Carina sagt

      Ich bin sehr gespannt wie es für Euch weitergeht und wie es Euch in den nächsten Ländern ergehen wird! :)

  8. Der Artikel ist schon ziemlich ernüchternd, was Südamerika angeht. :/ Aber ich glaube, dass die Menschen dort ganz andere “Probleme” haben als sich mit der veganen Ernährung auseinanderzusetzen. Leider.

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