Ein Appell. #refugeeswelcome

Stell Dir vor ein russischer Kampfjet verirrt sich über baltischem Gebiet (zum Beispiel, um mal abzuchecken, was die amerikanische Army eigentlich in Litauen zu suchen hat).

Die Nato ist verwirrt, während die Army es schon ihrem Präsidenten gepetzt hat. Dieser fühlt sich ziemlich auf den Schlips getreten. Er drückt den roten Knopf in seinem Office und bevor wir uns versehen haben wir einen dritten Weltkrieg an der Backe.

(Frei erfundenes Szenario, das mittlerweile jedoch gar nicht mehr so realitätsfremd erscheint.)

Wir in Deutschland sind dann natürlich ziemlich in der Bredouille. Amerika wird mal wieder einen Machtkampf auf europäischen Grund ausfechten und wir sitzen dann als Verbündeter in der Mitte Europas ganz gehörig in der Scheiße.

An Urlaub auf Malle ist dann nicht mehr zu denken, wir befinden uns im Krieg.

Wasser und Nahrungsmittel werden knapp, Städte werden zerstört, Männer sterben nicht mehr an der fernen Front, sondern mit jedem Dronen-Einsatz vor ihrer Haustür, Kinder und Frauen werden verschleppt und missbraucht.

Es gibt keine Gesetze mehr, von Gerechtigkeit ganz zu Schweigen.

Du siehst Deine Eltern, Deine Geschwister und Deine Freunde vor Deinen Augen sterben und Du fragst Dich, ob es sich überhaupt noch lohnt zu leben, ob Du Dich nicht ergeben oder selbst die letzte Konsequenz ziehen solltest.

Doch Du reißt Deinen letzten Lebensmut zusammen.

Statt Reiseplänen beginnst Du Fluchtpläne zu schmieden. Wie komme ich aus diesem Höllenkessel hinaus? Wie kann ich meine verbliebenen Liebsten in Sicherheit bringen?

Wo kann ich ein Leben leben – in Freiheit, in Sicherheit, mit einer Zukunft?

Du musst höllisch aufpassen, welchen Weg Du einschlägst. Überall könnte der Feind lauern, Dich aus dem verdeckten Lastwagen zerren und exekutieren.

Du wendest Dein gesamtes Vermögen auf, um Grenzbeamte und LKW-Fahrer zu schmieren und Du vergräbst Deinen Pass, der Dir noch vor kurzer Zeit alle Türen geöffnet hat, tief in Deiner Tasche.

Tage- und wochenlang nicht gewaschen, in der gleichen verdreckten Kleidung, ausgehungert, machst Du Deinen Weg. Immer weiter. Warten, ausharren und dann wieder ein klein wenig weiter gen See.

Dort angekommen, setzt Du Dein Leben aufs Spiel, um das Mittelmeer in einem überfüllten Gummiboot zu überqueren.

Auf der Suche nach Freiheit, Sicherheit, Zukunft.

Ein Wunder, dass Du es schaffst.

Du landest in einem Land, dessen Sprache Du nicht sprichst und dessen Kultur Du nicht beherrschst. Ohne Geld, ohne Anlaufpunkt, nur mit dem brennenden Funken Hoffnung auf eine Zukunft.

Und dann wirst Du in ein heruntergekommenes Heim gesteckt und schläfst mit 20 wildfremden Menschen zusammengepfercht in einem Raum. Du darfst nicht arbeiten, Du wirfst auf der Straße angefeindet und nachts werden die Fenster mit Backsteinen eingeworfen.

Die Zukunft, die Du Dir erträumtest, zerberstet wie die Fensterscheiben in Tausende von klirrenden Splittern.

Nun bist Du hier, in einem Land, das Freiheit bedeutet und doch bist Du wieder der Gefangene.

Und Du fragst Dich, was das schlimmere Schicksal ist – die Abschiebung zurück in den sicheren Tod oder ein Leben hier.


 

Als Reiseblogger berichte ich aus fernen Ländern, um kulturelle Differenzen ein wenig verständlicher zu machen, um Dir das Leben an anderen Orten näher zu bringen und zu zeigen wie wundervoll und mit welch großem Herzen einem die Menschen überall auf der Welt begegnen.

Letztlich, um zu zeigen, dass wir Menschen auf der Welt im tiefsten Inneren doch alle gleich sind. Dass wir alle die gleichen Bedürfnisse, Sorgen, Ängste haben. Egal, welche Hautfarbe wir haben, welcher Religion wir angehören oder welchen Partner wir lieben.

Krieg rückt die Menschen näher zusammen.

Doch vergessen wir in unserer privilegierten Lage in Deutschland gerne, dass in diesem Moment hunderte von kleinen und großen Kriegen auf der Welt ausgefochten werden.

Kriege, die unzählige von Menschenleben kosten, Kriege, die Leben auf grausamste Art und Weise für immer traumatisieren und Körper ins Entsetzliche entstellen.

Jeder von uns hat einen eigenen Krieg mit sich selbst zu führen: der Alltag, der Dich übermannt, Beziehungen, die zerbrechen, Dein Schicksal, das Dich einholt.

Doch in welcher Position befinden wir uns, dass wir uns über unsere Mitmenschen stellen dürfen? Ihnen Sicherheit, Arbeit, Bildung verwehren dürfen und damit eine Zukunft?

Dass wir sie abschieben wollen, ihre Wohnstätten in Brand setzen, sie an den Rand der Gesellschaft drängen, nur weil wir selbst Angst vor dem Ungewissen haben?

Und weil es uns zu gut geht, um das unermessliche Maß an Leid nachvollziehen zu können, das ihnen widerfahren ist.

Dies ist der Zeitpunkt, an dem Deutschland die Chance hat ein Vorbild mit seiner Flüchtlingspolitik zu werden. Und dies ist der Appell an alle Politiker: ergreift sie!

Wir können nicht alle aufnehmen.

Aber wir können eine Lösung finden, um es zumindest zu versuchen.


 

Wie kannst Du helfen?

Richtig helfen via DariaDaria (ursprünglich für Österreich, aber auch sehr wertvoll für DE

Wie-kann-ich-helfen.info

Wertvolle Stellungnahmen

Ich muss Dir etwas sagen via DariaDaria

Klartext von Anja Reschke via Panorama

Ein Blick hinter die offizielle Berichterstattung

Ein junger Flüchtling dokumentiert seine Reise auf Instagram via i-Ref

Her mit den Parolen via Blickgewinkelt

Über ein Thema, bei dem es so einfach ist zu helfen via Go Girl! Run!

Der Krieg, über den niemand spricht

How World War III became possible

WELCOME

Comments(6)

  • Jonas
    18. August 2015, 10:02  Antworten

    Sehr guter Beitrag. Ich teile deine Ansichten zu 100%. Warum soll ein Mensch über die Zukunft eines anderen Menschen entscheiden.
    In diesen Tagen sieht man mal wieder, wie konservativ, zurückgeblieben und dumm ein Großteil der deutschen Bevölkerung ist.
    Zum Glück gibt es Menschen wie dich, die dagegen vorgehen und ihren Mund aufmachen.
    #refugeeswelcome #fcknzs #goodnightwhitepride #keinmenschistillegal

  • 18. August 2015, 10:13  Antworten

    Danke für diesen Beitrag. Ich finde es super, dass immer mehr Blogger ihr Srachrohr benutzen und ihre Meinung sagen. Ganz besonders Danke für die tollen Links am Ende, einige davon kannte ich noch nicht, da werde ich mich gleich mal durchklicken!

    Viele Grüße
    Conny

  • 19. August 2015, 10:01  Antworten

    Hi Carina!

    Was soll man dazu noch sagen – ein Unding, was da teilweise abgeht! Jeder scheint über den Dingen zu stehen und will nicht, dass „die hier herkommen“. Aber keiner macht sich Gedanken darüber, was überhaupt los ist in „deren“ Ländern und welche Schicksale ignorant übergangen werden.

    „Wir können nicht allen helfen.“ Hört man überall – aber wir können alle zurück in den Tod schicken? Super, dass sich jetzt auch die Blogosphäre mit dem Thema beschäftigt und die Stimme erhebt.

    Denn nur alle zusammen können wir etwas erreichen und den Menschen helfen, die alles verloren haben! Denn was würden wir in deren Situation von der Welt erwarten?

    Solidarische Grüße,
    Freddy

  • 19. August 2015, 10:33  Antworten

    gute stellungsnahme!carina.
    uns gehts gut weils anderen schlecht geht und somit sind wir auch verantwortlich für alles was auf der ganzen welt abgeht.ich erwarte von allen mehr menschlichkeit.gestern gehört: auf 117 deutsche kommt nur ein flüchtling.das müsste zu stemmen sein.hier im ort gibts auch flüchtlinge .da hat ein orstansässiger eine fahradwerkstatt aufgebaut.jeder bringt seine alten räder hin und die flüchtlinge reparieren die und können sie dann auch nutzen.gute idee. ist nur ein kleines beispiel wies auch gehen kann.kleine gesten .aber wenn jeder mitmacht funzt es.

    liebe grüßle

  • 19. August 2015, 11:09  Antworten

    schön gesagt, alles ausgedrückt, danke dafür!!
    ich kenne die zwei seiten. meine tante arbeitet im asylantenheim, meine beste freundin wohnt neben einen. da kommen schon geschichten zusammen, gute und schlechte.

  • 19. August 2015, 22:29  Antworten

    Ein superdickes Dankeschön! Für die Verlinkung, noch viel mehr für Deine Worte. Ich finde es toll und wahnsinnig aufbauend, dass immer mehr Menschen Stellung nehmen, ihren Mund aufmachen, zum Nachdenken anregen, gegen die blöden Anti-Stimmen. Danke Dir meine Liebe, fünf dicke <3 <3 <3 <3 <3 für Deine Gedanken und dass Du sie veröffentlicht hast!

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