Wie Du Dir Rückschläge zum Freund machst und Deine Pläne durchziehst!

Ich bin mit den besten Vorsätzen in die vorige Woche gestartet. Motiviert bis in die Zehenspitzen, voll Power, ein klares Ziel vor Augen und bereit alles zu geben.

Die ersten 5 Tage verliefen komplett nach Plan. Bodyweight Training, Laufen, Yoga, yeah! Es lief wie geschmiert und selbst der Muskelkater fühlte sich sensationell an. So konnte es ruhig weitergehen!

Doch dann kam der Samstag. Und mit ihm die Vollbremsung.

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Von großen Plänen und blinden Passagieren

Ich liebe es Pläne zu schmieden, sie bis ins letzte Detail auszuhecken und dann auch durchzuziehen. Ich habe kein Problem damit für ein Workout morgens früh aufzustehen oder mich auf meinem Lauf durch das wilde Verkehrschaos Sucres zu kämpfen.

Meine größte Hürde sind jedoch die Dinge, die sich ungeplant und ungefragt in mein System einschleichen.

Es sind die blinden Passagiere, die es sich auf meinem Boot gemütlich machen und das Steuerrad übernehmen, während ich eigentlich gerade so richtig in Fahrt komme. Mit Schwung reißen sie das Rad herum und bringen mein Boot vom Kurs ab. Und mich völlig aus dem Konzept.

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Der Strich durch meinen zweiten Halbmarathon

Ich erinnere mich an meine Vorbereitungsphase für meinen zweiten Halbmarathon 2013. Ich war richtig gut drin im Training und ich konnte den großen Tag kaum erwarten. Doch irgendwas bremste mich aus.

Meine Zeiten begannen sich rapide zu verschlechtern und ich hatte von Lauf zu Lauf weniger Kraft. Ein Besuch bei meiner Ärztin und eine Blutuntersuchung deckte auf, dass ich extremen Eisenmangel hatte und das intensive Training meine letzten Reserven aufgefressen hatte. Sie legte mir nahe den Halbmarathon meiner Gesundheit zu Liebe vorerst zu streichen und verschrieb mir eine sechswöchige Eisen-Kur.

Du kannst Dir nicht vorstellen wie enttäuscht ich war. Die unzähligen Stunden im Regen, Matsch, bei Hitze und im Morgengrauen – sollte das alles für die Katz gewesen sein?

Einerseits ja.

Denn ich sagte den Halbmarathon ab und ging von nun an jede Woche brav zu meiner Ärztin, um mir eine furchteinflößend große und unangenehme Eisen-Spritze verpassen zu lassen.

Andererseits nein.

trainingsplan-pläne-ändern-sucreUnd diese Seite der Geschichte musste ich mir erst erarbeiten. Erst nach meiner verheilten Fußverstauchung Anfang dieses Jahres habe ich verstanden, dass Rückschläge niemals völlig sinnlos sind.

Ja, sie lassen Dich zurückfallen und scheinen erst einmal das Aus für Deine Halbmarathonvorbereitung und die gute Kondition, die Du Dir erarbeitet hast.

Doch sie sind viel mehr als das.

Rückschläge zeigen Dir was wirklich in Dir steckt

Wie viel Biss Du hast, wie viel Kampfgeist in Dir steckt. Ob Du Dich gehen und den Schicksalsschlag über Dich ergehen lässt oder ob Du Dir das Steuerrad zurückeroberst und den Kurs wieder aufnimmst.

Rückschläge sind Teil des Trainings.

Sei es eine Verletzung oder auch einfach nur eine miesgelaunte Woche, in der Du keinen Bock auf nichts hast sind wohl das schwierigste in der Vorbereitung, aber auch das, der Dich letztlich am meisten belohnt, wenn Du es überwindest.

Mein Sportfreund Mark hatte vor einiger Zeit einen großartigen Podcast veröffentlicht, in dem er folgendes Beispiel anbrachte:

Stell Dir vor Du sitzt in einem Flugzeug und es ertönt folgende Durchsage vom Piloten: Wir haben gerade einige Turbulenzen, die so auf dieser Flughöhe nicht vorgesehen waren. Deswegen müssen wir jetzt wieder umdrehen und landen.

Deine Reaktion?

Guter Scherz. Der hat ja wohl nicht alle Tassen im Schrank.

Was sich in diesem Beispiel völlig abwegig anhört, fabrizieren wir im konkreten Alltag jedoch immer wieder.

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Wir werden mit Hindernissen konfrontiert (schlechte Laune, doofes Wetter, mieses Timing) und benutzen diese als Ausrede wieder umzudrehen.

Den Rest der Woche verbringen wir in einer Art Schockstarre und hoffen, dass uns nichts an unser eigentliches Ziel erinnert. Und oh ja, ich kenne diesen Zustand nur zu gut.

Doch hier liegt es an uns uns selbst aus diesem Zustand wieder herauszuhieven. Die blinden Passagiere in die Kombüse einzusperren (oder noch besser: über Bord zu werfen) und die Verantwortung über unser Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen.

Willst Du Dein Leben aus der Sicht des Passagiers leben oder der Kapitän sein und es selbst steuern?

Mach es wie der Pilot oder der Kapitän: Korrigiere Deinen Kurs, wenn Schwierigkeiten aufkommen statt direkt aufzugeben.

Passe Deine Trainingseinheiten an und reduziere sie, wenn Du Dir zu viel vorgenommen hast. Mache Dir einen konkreten Wochenplan mit Zeiten für Deine Workouts. Und nimm Dir die nötige Ruhe, wenn Du verletzt bist. Sich bei einer Verletzung nicht zu schonen kann mehr schaden anrichten, als dass es Dir hilft.

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Warum mich der Samstag ausgebremst hat?

Nun, ich lag das Wochenende komplett flach. Mich hatte wohl ein Virus erwischt und wenn ich nicht schlief, musste ich mich übergeben und anders herum. Das zog sich nun bis Mitte/Ende letzter Woche mit etwas Besserung.

Ein Rückschlag? Ja.

Aber sich davon unterkriegen lassen? Niemals!

Diese Woche habe ich nun langsam wieder mit Sport angefangen. Ein, zwei kurze Laufeinheiten und etwas Yoga stehen auf dem Plan, um wieder reinzukommen und ich freue mich schon, wenn ich wieder voll auf dem Damm/Dampfer/Boot/Flugzeug bin!

Nun möchte ich von Dir wissen:

Was war Dein letzter sportlicher Rückschlag und wie konntest Du ihn überwinden?

Ab in die Kommentare damit!

Hör Dir den kompletten Podcast von Mark zum Thema noch einmal hier an:
Fitness mit Mark 027: 7 Dinge, die erfolgreiche Dranbleiber jeden Tag tun

Comments(14)

  • 16. Juli 2015, 14:19  Antworten

    bei mir ist das nicht so extrem wie bei dir sondern nur, dass ich immer mehr sport machen wollten, aber ich konnte es wichtigen gründen nie umsetzen,aber dafür bin ich jetzt motivierter an die sache ranzugehen

    • Carina
      25. Juli 2015, 03:33

      Das hört sich gut an! Dann auf, auf und frohes Sporteln :)

  • 16. Juli 2015, 17:04  Antworten

    Oh wow, klingt wirklich so, als seist du an deine Grenzen gegangen!
    Ich selbst laufe auch für mein Leben gern und hatte auf meiner Südamerikareise letztes Jahr ebenso meine Sportsachen dabei, allerdings war ich sehr frustriert, als ich von Argentinien nach Bolivien reiste und wirklich ewig brauchte, bis sich mein Körper an die Höhe gewöhnt hatte. Ich habe eine gute Kondition und bin sehr fit, aber es war schon frustrierend in den Städten (ich war auch in Sucre, La Paz, …) ein paar läppische Treppen hoch zu gehen und nach Luft zu japsen, wie nach einem Halbmarathon. ;-) Aber gut, ich hab mir dann einfach die Zeit und Ruhe genommen, um meinen Körper nicht total zu überfordern.

    Liebe Grüße und mach weiter so! :-)

    • Carina
      25. Juli 2015, 03:36

      Liebe Katja,
      oh, das kann ich nur allzu gut verstehen! Ich bin mittlerweile ganz gut akklimatisiert und in Sucre ging es echt gut mit dem Laufen, aber hier in La Paz ist das noch mal eine neue Herausforderung – auch wegen der Lage ;)
      In solchen Situationen muss man sich wirklich einfach mal zurücknehmen, so wie Du es auch gemacht hast! Das werde ich mir nun auch zu Herzen nehmen und freue mich in niedrigeren Lagen wieder regelmäßiger zu trainieren. Derweil halte ich mich mit Yoga & Krafttraining fit :)
      Ganz liebe Grüße aus La Paz!
      Carina

  • 16. Juli 2015, 18:19  Antworten

    Ein toller Beitrag.
    Es ist wichtig sich nicht unter kriegen zu lassen. Ich bin jede Woche mindestens 5x joggen gewesen, dazu noch viele längere Wanderungen. Und dann fingen meine Fersen an zu schmerzen. Nachdem mir die Ärzte anfangs des Jahres noch nur schwammige Diagnosen stellten habe ich jetzt die Diagnose beidseitiger Fersensporn. Eine lange Therapie bin ich schon am absolvieren beim Orthopäden.
    Lange habe ich zu Hause gesessen und mich selber bemitleidet… und jetzt habe ich mich dazu aufgerafft Fahrrad zu fahren. (neben den schwimmen die einzige Ausdauer-Sportmöglichkeit die mir im Moment bleibt)… am Anfang war es furchtbar, aber inzwischen geht es wirklich gut.
    Also egal was kommt – man muss das beste draus machen!

    Liebe Grüße
    Mel

    • Carina
      25. Juli 2015, 03:40

      Liebe Mel,
      das freut mich ungemein, dass Du Deinen Weg für den Wiedereinstieg gefunden und durchgezogen hast! Das ist wirklich das Wichtigste am Ganzen: nachdem man sich wieder aufgerappelt hat auch wirklich dran zu bleiben und jede „Niederlage“ als neue Chance zu nutzen.
      Ich wünsche Dir eine gute Besserung und auf, dass Du bald wieder Deine Laufrunden drehen kannst :)
      Beste Grüße aus La Paz
      Carina

  • 17. Juli 2015, 12:13  Antworten

    Rückschläge sind gemein, es ist anfangs so schwer sich zurückzunehmen und alles etwas langsamer anzugehen – gerade wenn man sich zuvor ein großes Ziel gestezt hatte. Aber du hast Recht, es gibt keine andere Möglichkeit und auch diese Erfahrungen machen uns reicher :)

    • Carina
      25. Juli 2015, 03:41

      Definitiv! Auch wenn man es erst nicht richtig wahrhaben will ;)

  • steffi
    5. August 2015, 00:27  Antworten

    Liebe Carina. Du bist weise! ;) Es ist schön (irgendwie) davon zu lesen, dass Rückschläge nicht nur mich so schwer ins Straucheln bringen. Ich mache seit etwas über einem Jahr Aikido. Nach ca. einem Monat habe ich mir bei einem Sturz eine Schulterverletzung zugezogen. Das hat mir viel über Vertrauen und Selbstvertrauen gelehrt (ganz kurz: Ich habe mich von einem unterfahrenen Übungspartner zu einer Übung überreden lassen, bei der ich mich nicht wohlgefühlt habe und mein Körper hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.) Vor kurzem konnte ich wieder etwas lernen, wobei ich dafür einige Wochen gebraucht habe. Ich habe gelernt, die unterschiedliche Kommunikationsweise einer Übungspartnerin zu akzeptieren und dadurch wurde gemeinsames üben nach Wochen wieder möglich, Davor sind wir uns wochenlang aus dem Weg gegangen. Das ist alles stark verkürzt, aber in beiden Fällen habe ich das gemacht, wovon du hier sprichst: Ich habe den Kurs korrigiert und bleibe auf der Reise, anstatt zum Ausgangspunkt umzukehren. (Ich liebe übrigens diese Metapher. Danke dafür!)

    • Carina
      9. Oktober 2015, 18:26

      haha, danke liebe Steffi ;)
      Das mit Deiner Schulter tut mir Leid, aber wie Du schon sagst, Du hast Deine Erfahrung und Konsequenzen draus gezogen, so dass es nun auch ein „Happy End“ gab – das freut mich sehr! Ganz liebe Grüße und danke, dass Du Deine Erfahrung mit uns teilst :)

  • Julia
    11. August 2015, 13:40  Antworten

    Toller und hilfreicher Artikel! Vielen Dank. Werde dir ab jetzt folgen und freue mich auf weitere Blogeinträge! :)

    • Carina
      9. Oktober 2015, 18:26

      Herzlichen Dank, Julia :)

  • 4. September 2015, 18:52  Antworten

    Hallo Carina,

    schöner Artikel, du triffst den Nagel auf den Kopf – wer nicht weiß wie sich Niederlagen anfühlen, der wird niemals einen großen Sieg erringen!

    Die Dinge zu managen, wenn ales glattläuft ist total einfach, aber wer behält die Ruhe, wenn es mal nicht nach Plan läuft? Und wer rafft sich am Ende auf, während andere am Boden liegen bleiben? Wer hier Stärke zeigt, denn kann im Prinzip nichts aufhalten und vor allem weiß man die anschließenden Erfolge dann auch viel mehr zu schätzen!

    Sportliche Grüße

    Michael
    (Mudder Guide)

    • Carina
      9. Oktober 2015, 18:28

      Du triffst den Nagel auf den Kopf! Als Tough Mudder Sportler kennst Du dieses Phänomen bestimmt nur zu gut und bist exzellent im Wiederaufstehen :)

      Sportliche Grüße zurück!

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