Et c’est Paris toujours… Paris im Winter

| Dies ist ein Gastbeitrag von Laura |

Paris – die Stadt der Liebe. Der Eiffelturm, die Champs-Élysées, Notre-Dame und die Seine. Eigentlich gäbe es genug zu besichtigen, aber was, wenn das Wetter nicht mitmacht? Paris kann im Winter kalt und hartherzig sein. Vor allem kalt. Bei 2° und Nieselregen ist eine Besteigung des Eiffelturms einfach kein verlockendes Unterfangen.

Deshalb möchte ich Dir hier ein paar Alternativ-Vorschläge geben, die auch bei nasskaltem Grau die Liebe zu dieser wunderbaren Stadt erwecken können. Idealerweise zu genießen mit dem passenden Soundtrack von Chanson-Ikone Jacques Brel.

 

#1 ET C’EST PARIS BONJOUR

 

Es gibt ein paar Dinge, die für einen gelungenen Paris-Aufenthalt unerlässlich sind. Da wäre zunächst einmal der Métroplan. In Kombination mit einem detaillierteren Stadtplan verhindert er Umwege, die mit Blasen an den Füßen oder im Winter sogar Eisklötzen enden. Das Sahnehäubchen ist dann natürlich das geeignete Métro-Ticket dazu.

Alle Métro-Tickets gelten übrigens auch in regulären Linienbussen und im Schnellzug, dem RER, solange man in der Tarifzone bleibt. Es gibt spezielle Touristenangebote (Paris Visite) mit unterschiedlicher Laufzeit (ein bis fünf Tage). Das Fünf-Tages-Ticket kostet aktuell 38,35 € und enthält einige Rabatte für Sehenswürdigkeiten. Für Jugendliche unter 26 Jahren bietet sich eventuell eine noch günstigere Variante an. An Wochenenden kann man mit dem Ticket Jeune Weekend für nur 4,10 € den ganzen Samstag oder Sonntag quer durch Paris fahren (gilt auch an Feiertagen, aber natürlich nur französischen).

Ansonsten gibt es für Unentschlossene auch sogenannte Carnets. Das sind zehn Tickets, die man im Paket etwas vergünstigt kriegt (unter 2 € pro Ticket). Sie lassen sich auch unter mehreren Reisenden aufteilen.

Bild: Delfi de la Rua

Tipp: Außerdem empfiehlt es sich, in Paris immer eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken dabei zu haben. Gerade in der Nähe großer Sehenswürdigkeiten oder im Stadtzentrum ist es schwierig, etwas Gutes und vor allem Günstiges zu essen zu finden. Für den Fall, dass trotzdem einmal Not am Mann oder der Frau ist, empfiehlt sich ein Abstecher in die Rue des Rosiers, die bekannt ist für ihre äußerst leckeren Falafel.

Solange die Nahrung und die Métro-Tickets nicht ausgehen, steht einer tollen Zeit in Paris aber nichts im Wege. Egal, bei welchem Wetter…

 

#2 ET C’EST PARIS L’ENNUI: MAISON DE BALZAC

47, Rue Raynouard | Métro: Passy (6), La Muette (9)

 

Wenn man eine Reise nach Paris macht und kein gutes Foto vom Eiffelturm schießt, war man dann überhaupt in Paris? Für alle, die diese Frage mit nein beantworten, stellt schlechtes Wetter ein existentielles Problem dar. Denn: Wer will bei starkem Wind, Regen oder Kälte schon seine Zeit auf den ungeschützten Champs de Mars unter dem Eiffelturm oder gar auf dem zugigen und sogar wackligen Turm selbst verbringen?

Zum Glück gibt es in Paris auch einen anderen spannenden und vor allem geschützten Ort, von dem aus man den Eiffelturm bewundern und natürlich fotografieren kann: Das Haus des Schriftstellers Honoré de Balzac. Dort, wo Balzac Teile seines Lebenswerks La Comédie Humaine verfasst hat (und dabei pro Tag bis zu fünfzig Tassen Kaffee getrunken haben soll), findet man heute ein ihm gewidmetes Museum.

Man kann dort verschiedene chaotische Originalmanuskripte finden, Alltagsgegenstände, die er benutzt hat, aber auch Karikaturen, Statuen und Gemälde von anderen Künstlern, die sich mit Balzac und seiner Romanwelt befasst haben. Außerdem kann man sich auch in die süße Bibliothek zurückziehen und selbst in die Welt von Eugénie Grandet und Co begeben. Bei alldem könnte man fast vergessen, weswegen man eigentlich hergekommen ist: den Fotos vom Eiffelturm.

Die lassen sich am besten draußen im Garten des Hauses machen, der bei gutem Wetter auch zum – um im Balzac’schen Vokabular zu schreiben – lustwandeln einlädt. Da das Haus am Hang liegt, kann man von der Balustrade des Gartens aus über die Dächer der Stadt hinweg zum Eiffelturm blicken (gerne ein wenig gelangweilt bis blasiert, das hätte Balzac gefallen).

 

#3 ET C’EST PARIS LA PLUIE: LE CENTQUATRE

5, Rue Curial | Métro: Stalingrad (2; 5; 7)

 

Das Centquatre ist ein merkwürdiger Ort: eine alte Fabrikhalle, in bester Hipster-Manier upcycled; ein Kulturraum, der Begegnungen aller Art zulässt. Dank der etwas abgelegenen Lage im Norden von Paris ist das Centquatre den Zwangsläufigkeiten der Gentrifizierung bisher noch nicht zum Opfer gefallen. Allerdings muss man auch einen längeren Weg mit der Metro und zu Fuß auf sich nehmen, um diesen wunderbaren Ort zu finden (Metrolinie 7 bis Riquet). Bei Regen heißt es also: Schirm einpacken!

Die Leute, die ins Centquatre kommen, sind tatsächliche, waschechte Pariser. Das heißt, sie kommen aus aller Herren Länder und sprechen aller Mütter Sprachen. Den Mittelpunkt des Zentrums bildet ein großer, offener Raum: überdacht, aber ansonsten ziemlich grenzenlos.

Neben indischen Bauchtanzgruppen, deren Musik sich mit den Breakdance-Beats der gleichzeitig probenden Teenager aus dem Viertel mischt, finden sich hier Jongleure und Diabolo-Spieler der Extra-Klasse ein. Um die Tänzer herum schieben Mütter ihre Kinderwagen im Slalom durch Gruppen von Lesenden und Diskutierenden.

 

Für alle, die es etwas geordneter mögen, gibt es auch ein ‚richtiges‘ Programm mit Konzerten, Ausstellungen und Events. Unter dem Dach des Centquatre lässt sich aber am besten alles auf eigene Faust entdecken – ob in der Buchhandlung, dem SecondHand-Geschäft (Emmaüs) oder dem versteckten Café (Le Café Caché).

 

#4 ET C’EST PARIS LE MIROIR: LE MARAIS

3. Arrondissement | Métro: Saint-Paul (1), Hôtel de Ville (1; 11), Chemin Vert (8)

 

Wer in Paris nicht geshoppt hat, war nicht in Paris. So oder so ähnlich könnten das sämtliche Stilikonen von Coco Chanel bis Jane Birkin formuliert haben. An die Limitierungen eines studentischen Budgets haben sie dabei allerdings kaum gedacht. Und an das Wetter sowieso nicht. Wer sich auf den Champs-Élysées nicht mehr als Window Shopping leisten kann (und dabei wie ein begossener Pudel aussehen würde), sollte seine Zeit und sein Geld lieber ins Marais investierten.

Das Viertel liegt unmittelbar in der Nähe des Centre Pompidou – also sehr zentral. Außerdem ist es so klein, dass man kaum länger als zwei Minuten der Kälte ausgesetzt ist, bis man den nächsten betretenswerten Laden gefunden hat. Das sind vor allem SecondHand- und Vintage-Läden in jeder erdenklichen Ausführung.

Bild: Hannah Morgan

Der HippyMarket (41, Rue du Temple) bietet beispielsweise eine bunte Mischung aus Gebrauchtem und Neuaufgelegtem und versetzt einen mit der passenden Musik und Dekoration direkt ins San Francisco der siebziger Jahre. Etwas weniger glamourös, dafür aber auch deutlich weniger teuer sind der King of Frip (33, Rue du Roi de Sicile), der Kilo Shop (69, Rue de la Verrerie) und das Free’P’Star (61, Rue de la Verrerie). Hier ist der Kunde nur insofern König, als dass ihm das Durchwühlen sämtlicher Stapel und Kisten erlaubt ist. Wenn man sich einmal an den muffigen Geruch gewöhnt hat, kann man in eine Welt voller Kuriositäten abtauchen und mit etwas Glück einen Schatz bergen.

Neben diesen grotesk großen und teilweise chaotischen Läden gibt es auch noch kleine Vintage-Paradiese wie MamZ’Elle Swing (35 bis, Rue du Roi de Sicile) und Tilt Vintage (8, Rue de Rivoli). Dort kann man mit sehr hilfreichem Personal rechnen, allerdings auch mit einem etwas tieferen Griff in den Geldbeutel.

 

#5 ET C’EST PARIS BONSOIR: MÉNILMONTANT

Rue de Paris | Métro: Ménilmontant (2), Père Lachaise (2; 3)

 

Ein erfolgreicher Shopping-Tag will gefeiert werden. Am besten tut man das dort, wo man die neuen Vintage-Schätze gleich spazieren tragen kann. Das geht problemlos in den Bars rund um die Métrostation Ménilmontant.

Während nebenan auf der Rue Oberkampf relativ einfallslose Studentenkneipen mit unstudentischen Preisen aufwarten, gibt es in den Seitenstraßen einiges zu entdecken. Dort herrscht kein strenger Dresscode, man muss nicht ewig lange in der Kälte stehen, um dann von einem Türsteher entweder gnadenvoll eingelassen oder gleichgültig abgewiesen zu werden. Stattdessen ist hier bunt und schräg erwünscht, an jeder Ecke erwartet einen ein Kleinod und die Getränke sind für Pariser Verhältnisse erschwinglich. Auch wenn erschwinglich bedeutet, dass ein großes Bier etwa 6 € kostet, sind diese Bars einen Besuch wert.

Bild: Arne Van Bael

Im Le Saint-Sauveur (11, rue de Panoyaux) sollte man bestenfalls sowieso kein Bier bestellen, sondern lieber einen der – in Punk-Manier – gut geladenen Cocktails. Oder am besten gleich zwei. Denn im Le Saint-Sauveur schenkt der Rock ’n‘ Roll aus und der Punk ist sein bester Gast. Die Bar gehörte zu den ikonischen Treffpunkten der Pariser Punk-Bewegung und ist deshalb bis heute ein Sammelbecken für kuriose Leute.

Direkt nebenan lädt das Lou Pascalou (14, rue de Panoyaux) immer wieder zu Konzerten ein. In der Hauptsache gibt es Jazz in allen Variationen, aber dazu auch Ausstellungen. Obendrein verlockt eine große Auswahl an Getränken, die man am besten mit einem kleinen Apéro ganz pariserisch genießt und dabei die Bohème beim Savoir-Vivre beobachtet.

 

#6 ET C’EST PARIS LA CHANCE: LOUVRE

Rue de Rivoli  | Métro: Palais Royal – Musée du Louvre (1; 7), Louvre-Rivoli (1)

 

Wo könnte man einen regnerischen oder gar verschneiten Tag besser verbringen als im Museum? Wenn da nur nicht die unendlich lange Menschenschlange quer durch den Innenhof des Louvres wäre. Vor dem Eingang in der weltberühmten Glaspyramide kann man sich schonmal zwei bis drei Stunden die Beine in den Bauch stehen.

Spätestens wenn man seine Zehen nicht mehr spürt und die Nase schneller läuft als die Menschen vor einem in der Schlange, hat man keine Lust mehr, auf sechs bis sieben weitere Stunden Stop and Go im Inneren des Museums. Dabei sollte man sich den Louvre auf keinen Fall entgehen lassen.

Bild: Irene Ledyaeva

Tipp: Um langes Anstehen in der Kälte zu vermeiden, empfiehlt sich ein Besuch unter der Woche. Der wahre Geheimtipp sind aber die anderen Eingänge ins Louvre. Denn: Man kann nicht nur durch die Pyramide ins Museum gelagen. Und, keine Sorge, auch von den anderen Eingängen aus gelangt man zunächst in den Hauptsaal und kann dann die Pyramide von unten betrachten.

Am einfachsten ist die Anreise mit der Métro zur Station Palais Royal – Musée du Louvre. Dort gibt es einen Ausgang, Carrousel du Louvre, der in eine unterirdische Luxus-Einkaufspassage führt, die schon für sich einen Besuch wert wäre, aber praktischerweise auch noch direkt in die Eingangshalle des Louvres mündet. Außerdem gibt es noch einen oberirdischen Nebeneingang an der Passage Richelieu, der ebenfalls deutlich weniger frequentiert ist. Et voilà – Sie haben Ihr Ziel erreicht!

Im Louvre sind Regen und Schnee dann kein Problem mehr. Man kann Tage, vielleicht sogar Wochen in den Ausstellungen verbringen, ohne sich je zu langweilen. Für alle EU-Bürger bis 26 ist das sogar eine echte Option: Der Eintritt in den Louvre ist für sie kostenlos. Gleiches gilt für Besucher, die zwischen Oktober und März am ersten Sonntag des Monats kommen. Aber selbst wenn man zahlen muss: Der Louvre ist sein Geld wert.

Bild: Eric Terrade

Und das nicht nur wegen der Mona Lisa. Ehrlichgesagt ist die Mona Lisa bei weitem nicht das schönste Stück der Louvre-Sammlungen, genau genommen nicht einmal das schönste Gemälde. Wer sich dem Gedrängel und Geschiebe entziehen möchte, dem sei dazu geraten. Die Mona Lisa ist kleiner und weniger beeindruckend als man denkt. Der Saal, in dem sie ausgestellt ist, ist meistens außerdem so überfüllt, dass man sie besser auf Postkarten und in Bildbänden betrachten kann.

Stattdessen empfiehlt sich ein Besuch der weniger frequentierten Sammlungen. Dort kann man in Ruhe flanieren und auch das alte Gebäude genauer betrachten. Besonders schön ist die altägyptische Kollektion, die von Jean-François Champollion begründet wurde. Er ist es auch, der erstmals die Hieroglyphen entziffert hat. Der Stein von Rosetta, der ihm dies ermöglichte, ist ein Herzstück der Sammlung. Auch die griechischen Statuen sollte man nicht verpassen. Neben der berühmten Venus von Milo ist vor allem die Siegesgöttin Nike von Samothrake, die imposant über einen Treppenaufgang wacht, beeindruckend.

 

#7 ET C’EST PARIS TOUT GRIS: LA GAÎTÉ LYRIQUE

3bis, rue Papin | Métro: Réaumur-Sébastopol (3; 4), Arts et Métiers (3; 11)

 

Der Name ist Programm: Fröhlich und lyrisch hat das La Gaîté Lyrique einiges zu bieten. Es gibt Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, Vorträge, Workshops und noch dazu jede Menge gutes Essen, nette Bars und sogar Einkaufsmöglichkeiten.

Wenn Paris sich also wirklich von seiner aller grausten und grausigsten Seite zeigt, kommt hier die gute Laune garantiert zurück. Es sei denn, es ist Montag, dann ist dieser Raum der Wünsche nämlich leider geschlossen. An jedem anderen Tag der Woche herrscht hier aber das bunte Leben. Für jeden wird etwas geboten – es gibt Veranstaltungen für Kinder, kleine Festivals und sogar avantgardistische Performance-Kunst.

Tipp: Das einzige, was am La Gaîté Lyrique bescheiden und klein ist, ist der Preis. Mit einer Jahresmitgliedschaft für 16 € erhält man Gratis-Eintritte zu diversen Ausstellungen, sowie reduzierte Tickets für Freunde, obendrauf gibt es Rabatt in der Boutique und beim Besuch anderer ähnlicher Kulturorte (dem Centquatre beispielsweise). Ein Einzeleintritt zu einem Konzert oder einer anderen Veranstaltung kostet etwa 20 € – auch das für Pariser Verhältnisse eher günstig. Und auf jeden Fall für das Gebotene nicht zu viel verlangt. In diesem Sinne: Au revoir, tristesse!

 

Et c’est Paris je reviens.

 


Ich bin Laura, hauptberuflich momentan noch Studentin, bald schon Journalistin beim arte-Magazin und inzwischen auch Bloggerin. Auf www.bockmist.org schreibe ich über meine diversen Leiden und -schaften, vom Deutschrap bis zur Kultur (sprich: Netflix). Auch das Thema Sport findet gelegentlich seinen Weg auf den Blog. Ich boxe und bouldere, probiere immer wieder gerne neue Sportarten aus und schreibe darüber. Das Joggen ist bei aller Freude am Neuen immer mein treuer Begleiter geblieben – als Ausgleich zum Alltagsstress, als eine Art Gehmeditation, bei der ich Kraft tanke und in die Natur gehe.

Beitragsbild:  Alice Donovan Rouse

Comments(1)

  • 14. Februar 2018, 12:15  Antworten

    Super Artikel. Ich möchte nächstes Jahr zum Jahrestag meinen Freund mit einem Trip nach Paris überraschen. Da unser Jahrestag im Januar ist werde ich deine Tipps gut gebrauchen können. Ich freue mich jetzt schon auf die gemeinsame Zeit in Paris. Viele liebe Grüße

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