Macht Sport glücklich?

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Endorphine, Serotonine, Flow.
Dass Sport für unseren Körper die ultimative Glücksdroge und Schmerzmittel zugleich ist, haben wir ja mittlerweile alle mitbekommen. Läufer schwärmen vom Runner’s High, Zumbamädchen wackeln aufgeregt mit dem Hintern, wenn sie an ihre nächste Stunde denken und Crossfitter erzählen mit glasigen Augen von diesem unbeschreiblichen Gefühl, was sie überkommt, wenn sie ihr WOD (workout of the the day) absolvieren.

Schön und gut, denkt sich mein sportmuffliges Alter Ego, was auch heute noch immer gerne mal vorbei schaut, um mich zum Abhängen auf der Couch zu überreden.
Aber wie fühlt sich das denn jetzt genau an? Und lohnt sich das überhaupt?
Irgendwie müssen die ganzen Verrückten ja einen Grund haben warum sie sich kontinuierlich zum Sport schleppen und freiwillig schinden. Heute decke ich die bittere Realität auf!

Phase 1 – Das böse Erwachen

Das durchdringende Piepen Deines Weckers zerschneidet die Stille des morgendlichen Halbdunkels. Das kann doch jetzt nicht wahr sein – ist es schon wieder so weit?

Du fühlst Dich als wäre heute Nacht eine Dampfwalze über Dich gerollt und wendest Dich einmal mühselig auf den Bauch.
Verdrängung. Doch es hilft nichts. Mit der Schlummer-Funktion ist nicht zu spaßen.

Allmählich wirst Du Herr über Deine Gliedmaßen und richtest Dich widerwillig auf. Dein Körper will das Ganze noch nicht so wirklich wahrhaben, während Deine Augen sich vorsichtig an die aufkommende Helligkeit gewöhnen. Soll ich jetzt tatsächlich… da raus?

Phase 2 – Prokrastination
(oder auch: vorgezogene Belohnung)

Erstmal einen Tee machen. Und etwas Wasser trinken. Vielleicht noch Zähne putzen und mal kurz Facebook checken, nur kurz. Wenn Du schon dabei bist, mal schauen, was Dein Email-Postfach so macht. Vor Schreck erst einmal ausgiebig Strecken und mit Tee mit dem Handy auf die Couch. Bis der jetzt abgekühlt ist, schaust Du nach was in der Welt die letzten Tage, Wochen so los gewesen ist. Und bereust es direkt.

Der Tee ist leer und der Bauch voll, nun kannst Du nicht direkt los laufen, da würde es ja die ganze Zeit gluckern. Abwarten. Prokrastinieren, vom Feinsten.

prokrastination

via John Atkinson

Phase 3 – Der Arschtritt

„Jetzt reiß Dich mal zusammen!“ seufzt Dein inneres Ich mehr leidig als energisch, aber Du weißt jetzt kommt es drauf an. Entweder Du oder Deine Faulheit, wer darf heute den Kampf gewinnen?

Zögernd schlüpfst Du in Deine Laufsachen, immer noch nicht wirklich überzeugt, ob das was Du da gerade fabrizierst richtig ist. Und dann ist auch noch Dein Lieblingslaufshirt in der Wäsche, nein so kannst Du nicht arbeiten.

Du bist schlagartig demotiviert, aber dann ruft die Stimme in Deinem Kopf mit etwas weniger Leid und mehr Nachdruck: „Was ist eigentlich los mit Dir? Von so etwas lässt Du Dich aus der Bahn werfen? Wie willst Du eigentlich Deinen Alltag meistern, wenn Dich so eine Kleinigkeit schon ins Wanken bringt? Dann nimm halt eins von den anderen 10 Laufshirts!“ 
Ja, Du weißt, dass Dein Kopf Recht hat.

Genervt und einen Augenverdreher später stehst Du nun also startbereit an der Türschwelle. Der erste Schritt ist der schwierigste. Eindeutig. Und Du bist kurz davor auf dem Absatz umzudrehen, aber dann ist da wieder diese nervige Stimme: „Komm schon! Auf, auf, auf! Je schneller Du draußen bist, desto schneller bist Du auch wieder da! Du wirst Dich danach besser fühlen! Ansonsten wirst Du den ganzen Tag bereuen, dass Du es nicht gemacht hast! Komm, gib Dir einen Ruck, Du bist nur einen Schritt entfernt!“
Oh, so nervig war die Stimme jetzt gar nicht mehr. Sondern sogar fast schon motivierend! Nun also gut. Das schnell-wieder-da-sein-Argument zieht…

Phase 4 – Die Erkenntnis

Der erste Schritt über die Haustürschwelle ist getan und Du trabst langsam los. Die Schwerkraft scheint Dich heute ganz besonders gerne Richtung Erde ziehen zu wollen – wo ist die beschwingte Sprungkraft, die Dir die ganzen hippen Sportmarken in ihren Werbevideos versprechen? Wo ist der laue Wind, der Dir sanft durchs Haar streicht, während Du kraftvoll und fokussiert über den in frühmorgendliche Sonnenstrahlen getauchten Asphalt strebst?

Der ganze Zauberkram ist heute anscheinend leider nicht auf Vorrat und langsam merkst Du, das Du selbst für Dein eigenes Glück verantwortlich bist. Und, dass Du mit dem Schritt vor die Haustür schon den Grundstein für das Glück gelegt hast.

Egal wie miserabel Du Dich zu Beginn Deines Trainings fühlst, egal wie schwer es Dir fällt weiterzumachen und wie nervig der Faulpelz in Dir an Deinem Laufshirt zerrt und fragt „Sind wir schon da?!“. Es wird besser. Mit jedem Schritt.

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Nun – macht Sport also glücklich?

Trotz der vielen Male, wo es Dich einfach nur nervt und Du keinen Bock hast und es so viel Aufwand kostet, Dich zu überwinden zum Sport zu gehen – am Ende lohnt es sich. Immer. Das kann ich Dir versprechen.

Und das kannst Du nur für Dich selbst erfahren, wenn Du los legst und es selbst in die Hand nimmst. Sport ist Anstrengung, Frustration, Therapie. Aber vor allem: der Weg zum Glück. Und Glück kommt selten allein.

Comments(4)

  • 21. August 2014, 13:26  Antworten

    Danke für den Text, der (mich) beschreibt und erklärt und wie das mit dem Sport ist. Ich freue mich schon auf Deine Newsletter-Reihe.

    Deine Texte sind toll geschrieben. Mach weiter so!

    David

  • 21. August 2014, 15:19  Antworten

    Meiner Meinung nach gibt es nur wenig, das genau so oder sogar glücklicher macht als ein richtig schönes, hartes Workout. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Laufen, Kampfsport oder das Pumpen im Gym ist. :) – Einmal in den Genuss dieses wundervollen Gefühls gekommen, kann man nur noch sehr schwer ohne…

  • 28. August 2014, 20:53  Antworten

    sehr schöner artikel.
    es stimmt einfach, dass der erste schritt der schwerste ist ;)

  • 5. Februar 2015, 14:37  Antworten

    Hey, schöner Artikel. Bin über Judith vom HealthYouBlog auf dich aufmerksam geworden und find deine Artikel und vor allem Videos echt großartig! Gerade wenn man mal über das „keine Lust“ loch hinweg ist, ist Sport das beste was man machen kann und macht süchtig ohne Ende.

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