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Für echte Abenteurer – Von den Lofoten über den Kungsleden nach Stockholm

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Lust auf ein Abenteuer? Nicht nur ein bisschen, sondern so ein richtiges Abenteuer in der Wildnis Skandinaviens? Mit Wildcamping, Überlebenstraining und allem was dazu gehört? Dann schnall Deinen Trangia-Kocher an den Rucksack und pack den Leatherman ein, denn heute zeige ich Dir wo die Bergspitzen schroffer, die Fjorde klaffender und die Wege unwegsamer sind: auf einer Wanderung von den Lofoten über den Kungsleden nach Stockholm!

Als Schönwetter-Wanderer habe ich mich – blauäugig wie ich bin – nichtsahnend auf den Vorschlag meines Freundes eingelassen doch eine Wander-Tour von den Lofoten nach Stockholm zu machen, mit einem kurzen Abstecher über den berühmt berüchtigten Wanderweg Kungsleden, wenn man schon gerade dort oben im hohen Norden oberhalb des Polarkreises ist.

Es war zweifelsfrei eine eindrucksvolle Wanderung, bei der ich mir in jeder Minute geschworen habe so etwas nie, nie, niemals wieder zu machen. Und heute, knapp drei Jahre später, habe ich mich langsam von der Tortur erholt und möchte mit Dir eine Reise teilen, die ich – neben Myanmar – rückblickend als eine der atemberaubendsten, härtesten und intensivsten Erlebnisse der letzten Jahre empfunden habe.

Kurz-Info

Dauer // 3 Wochen – 1 Woche pro Etappe
Monat // August 2011 (ich empfehle eher den Juni oder Juli, da das Wetter zu den Zeiten deutlich besser ist)
Wetter // heiter bis sehr regnerisch, eher kühl
Kosten // hoch, trotz Zelten und Wandern. Bus- und Bahnfahren ist relativ günstig, aber Essen ist sehr teuer. Eine gute Übersicht über die Kosten in Norwegen findet Ihr bei Timo !

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Etappe 1 – Lofoten

Die Lofoten, gut 200 km nördlich des Polarkreises an der norwegischen Atlantikküste gelegen, ist eine faszinierende Inselgruppe, die – dank des rauen Wetters dort oben – landschaftlich spannender kaum sein könnte. Kantige Felsgebilde dominieren den Blick, der zu meiner Begeisterung immer wieder von grünen Auen und feinsten,weißen Sandstränden aufgelockert wird.

Hier mache ich zum ersten Mal vom skandinavischen Jedermannsrecht Gebrauch, nach dem man überall in der freien Natur sein Zelt aufschlagen darf, so lange man niemanden stört. Eine hervorragende Regelung, vor allem in einer Natur wie dieser!

Mehr dazu hier: Karibik auf norwegisch – die Lofoten!

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Info //
Hinkommen
// Flug von Oslo nach Bodø, von dort aus mit der Hurtigruten-Fähre nach Moskenes, an die Westspitze der Lofoten.
Rumkommen // Auf den Lofoten kann man sich ausgezeichnet zu Fuß fortbewegen. Zwischen den knapp 130 km von Moskenes nach Svolvær haben wir in der Woche, in der wir dort waren jedoch auch die Busse benutzt, die zwar nicht häufig verkehren, aber dafür unschlagbar günstig sind!
Nicht vergessen // Einen Basis-Vorrat an Nudeln, Pesto, Müsliriegeln. Abgesehen von öffentlichen Verkehrsmitteln, ist Norwegen extrem teuer.
Probieren // Stockfisch, eine Spezialität, der man auf den Lofoten kaum entrinnen kann.

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Etappe 2 – Kungsleden

Der Beginn der Wanderung war ein Traum: fabelhaftes Wetter, sanfte Anstiege auf blühende Hochebenen, die mit saftigen Blaubeeren lockten! Doch dann zeigte sich das schwedische August-Wetter von seiner wahren Seite und verwandelte eben noch süßsäuselnden Bäche in strömende Fluten, die zu überqueren waren, so dass einen die Nässe nicht nur von oben durchweichte. Der Nebel erschwerte nicht nur die Orientierung, sondern auch bei klarem Verstand zu bleiben und so mussten wir uns nicht nur einmal lautstark davon überzeugen, dass dort gerade kein Bär, Tiger, Luchs im grauen Dunst um uns herum geschlichen war.

Die Landschaft, die ich von Bildern kenne ist sensationell! Leider kann ich Euch heute keine Beweise zeigen, da ich sie leider selbst nie mit eigenen Augen gesehen habe, obwohl ich vor Ort war.

Neben der sportlichen Herausforderung findet man auf dem Kungsleden auf jeden Fall auch an seine geistigen Belastungsgrenzen!

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Info //
Hinkommen
 // Das variiert je nachdem welchen Abschnitt man bewältigen möchte. Wir sind von Svolvær mit dem Zug ins schwedische Abisko, wo der Kungsleden offiziell beginnt. Da wir uns den vermeintlich einfachsten Streckenabschnitt ausgesucht haben sind wir dann jedoch weiter mit dem Bus zur Fjällstation Saltuluokta, von wo wir knapp 70 km bis Kvikkjokk wanderten.
Rumkommen // Zu Fuß! Und zwar nur damit! Falls Du aber wie ich damals mehrmals am Rande der Verzweiflung bist, ist es gut zu wissen, dass einen ein Helikopter für knapp 100 Euro aus der Wildnis befreit.
Nicht vergessen // Nervennahrung. Und davon eine Menge. Klamotten kannst Du auch noch in Stockholm einkaufen – hier geht es ums nackte Überleben! Zumindest das Deines Verstands!
Probieren // Blaubeeren auf den Hochebenen!

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Etappe 3 – Luleå nach Stockholm

Nach der Rückkehr in die Zivilisation lief uns als erstes das beschauliche Luleå über den Weg, wo wir uns von unserem Survival-Trip erholten. Das konnte man dort erstaunlich gut, insbesondere weil zufälligerweise der Musikens Makt, ein wunderhübsches Musikfestival direkt am Strand der Stadt mit Schwedens damaligen Superstar Bob Hund statt fand.

Im Teknikens Hus stellten wir uns technologischen und wissenschaftlichen Herausforderungen und standen mit anderen Kindern beim Bagger-Fahren an, bevor es mit dem Flugzeug und einem verlorenen Personalausweis zur vollständigen Re-Urbanisierung in die Hauptstadt und Metropole Schwedens ging: Stockholm.

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Info //
Hinkommen
 // Von Kvikkjokk gelangt man mit Bus & Bahn nach Luleå, einem überschaubaren, netten Städtchen an der Ostküste Schwedens. Der einfachste und schnellste Weg runter nach Stockholm ist das Flugzeug.
Nicht vergessen // Deinen Ausweis. Den habe ich nämlich in Luleå liegen lassen. Die Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in Stockholm sind aber sehr nett und lassen auch nicht biometrische Bilder mit zwei zugedrückten Augen durchgehen.
Probieren // Rentier-Salami, Blaubeer-Suppe, Kanelbullar!

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Diese Dinge haben mich vor dem
sicheren Wahnsinn gerettet

  • Der Trangia-Kocher! Nach 20 km durch den Regen gibt es nichts besseres als eine ordentliche Portion warmer Nudeln oder heißen Haferbreis!
  • Ordentliche Wanderstiefel. Nachdem mein Freund seine zerfetzte, linke Schuhsole mit einem lauten Fluch ins schwedische Abseits katapultierte, war ich froh, dieses Mal nicht auf meine Laufschuhe gesetzt zu haben.
  • Zimtknäckebrot ! !

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Die Route

Von den Lofoten nach Stockholm

Was war Deine anstrengendste Reise?
Und bist Du schon mal durch die Wildnis gewandert?

 

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8 Kommentare

  1. Oh, das klingt ziemlich spannend und die Bilder sehen richtig gut aus!

    Ich bin ihn zwar mit dem Rad gefahren, aber ich kann zum Wandern auch den West Highland Way in Schottland empfehlen oder einen der anderen Wanderwege in den schottischen Highlands.

    • Carina sagt

      Danke für den tollen Hinweis, Schottland hatte ich wander-mäßig eh schon auf dem Schirm… :)

  2. Das hört sich toll an :) Ich bin grad für ein Auslandssemester in Norwegen und die Natur ist super :) Ich mag deinen Blog sehr. Deswegen bekommst du von mir den Liebster Award.

  3. Wow, was für ein cooler Trip! Etappe 1 kommt direkt auf meine Wunschliste :-)
    Und eine warme Mahlzeit kann Wunder wirken…
    Mein anstrengendster Trip waren 5 Tage Trekking in Nepal mit tw. 1400 Höhenmetern am Tag. Aber dafür so wahnsinnig intensiv und vielen Erinnerungen gespickt…

    • Carina sagt

      Tabitha, woooow! Nepal! Steht ganz oben auf meiner Trekking-Liste! Wahnsinns-Tour und ich habe mir gerade Deine Nepal-Fotos angeschaut: Genial!!

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