Was uns Tierdokumentarfilmer immer verschwiegen haben

Lieber Tier-Dokumentarfilmer,

wir müssen reden.

Ich weiß, dass Du viele hunderte von Kilometer auf Dich nimmst, um an den einen besonderen Ort zu kommen. Dorthin, wo sich kein anderer hinwagt, in ferne Länder und über Straßen, die mehr holpernd als fahrend zu bezwingen sind, wenn überhaupt.

Das alles, allein um uns zu unterhalten. Um uns wundervolle Aufnahmen zu zeigen, so einzigartig und atemberaubend, dass ich meine Sonntagabende lieber mit ihnen als mit Tatort verbringe.

Heute weiß ich jedoch, dass Du mir nicht die ganze Wahrheit erzählt hast. 

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https://www.youtube.com/watch?v=uiGmDbh_FhM

Ich bin ein bisschen auf Deinen Spuren gewandelt. Ein klein wenig, nicht zu viel, aber doch genug, um ein paar Dinge aufzudecken, die Du mir bisher verschwiegen hast.

Aber das ist nicht schlimm, manches ist sogar gut.

Doch um Licht ins Dunkel zu bringen, möchte ich nun etwas plaudern.

Die Tiere, die Du filmst – Sie leben an den schönsten Plätzen der Welt.

Klar, Du bist kein Landschaftsfilmer, deswegen konzentrierst Du Dich auf die Filmaufnahmen der Hauptdarsteller. Und auch ich habe es nicht geschafft meine Linse von ihnen abzuwenden, obwohl mich das, was drum herum arrangiert war, der Rahmen, mich mindestens genau so sehr fesselte.

Doch so wunderschön wie die Landschaft ist, so klirrend kalt, brühend heiß oder unerträglich stürmisch kann sie sein.

Wenn Du es in Deinen Filmen in einem Nebensatz erwähnst, nahm ich es wahr, aber so richtig wurde mir das Ausmaß dieser Worte erst bewusst, als ich selbst dort stand.

Während sich die Tiere scheinbar unbeeindruckt vom Wind durchpusten lassen, ziehe ich meine Mütze tiefer ins Gesicht und versuche mit meinen tiefgefrorenen Händen den Auslöser zu erwischen. Klappt. Manchmal.

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Genauso wurde mir klar, was es bedeutet so nah dran zu sein. Mit allen Sinnen dabei zu sein. Nicht zur auf den Bildschirm zu schauen und Deinen milden Worten zu lauschen, sondern zu schauen, zu fühlen, zu hören und vor allem zu riechen, wie die Tiere leben.

Und um ehrlich zu sein – bei aller Pinguin-Liebe –

Sie stinken. Sehr. Und sie machen komische Geräusche.

Gebannt starre ich auf das Schauspiel, was sich vor mir abspielt und ich frage mich wie viel Spaß Du wohl beim Dreh hattest.

Wie viele Tierarten Du bis zur Perfektion imitieren kannst, durch wie viele Exkremente Du robben musstest und wie viele Stunden Du verharren musstest, um die eine Aufnahme zu ergattern.

Was Du mir ebenfalls nicht erzählt hast: Die Tiere kommen oft näher als man will.

Was Dir Deinen Job bestimmt erleichtert, mich aber in die Bedrängnis bringt.

Tierschutz und Artenerhaltung im Hinterkopf widerstehe ich meinem innersten Wunsch einen der kleinen auf den Arm zu nehmen oder ihn auch nur zu streicheln.

Wie nah Du ihnen wohl gekommen bist?

 

Lieber Tier-Dokumentarfilmer,

ich mag Deine Arbeit. Ich mag Deinen Job. Auch von hinter den Kulissen.

Nimmst Du mich mal mit?

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Comments(5)

  • Ana
    3. März 2015, 10:53  Antworten

    Danke, ich musste so lachen und dabei hatte ich richtig schlechte Laune am frühen Morgen! Als Kind wollte ich auch mal Tierdokufilmerin werden :)
    Und wunderschöne Aufnahmen!

    Liebe Grüße von ganz weit weg,
    Ana

  • 3. März 2015, 15:42  Antworten

    Hallo Carina,

    finde ich total toll den Einblick hinter die Kamera. Was der Zuschauer sieht ist sicher ganz oft das Endprodukt langer Tage in Kälte, Regen oder Hitze – eben so – wie du es beschrieben hast. Umso wichtiger sind solche Beiträge wie dieser. Denn sie zeigen, dass da verdammt viel Arbeit drin steckt.
    Super schön gemacht und ja, mir wäre es auch schwer gefallen den kleinen Kerl nicht zu streicheln.

    Alles Liebe, Sabrina

  • 6. März 2015, 10:37  Antworten

    sie stinken – ich musste sofort an mein whale watching letztes jahr denken :) ein schöner artikel. und ja, so ist das wohl!

  • 7. März 2015, 21:48  Antworten

    Gestank ist relativ, würde ich sagen. ;)

    Viel Spaß auf der Pirsch!

    Philipp

    • Carina
      30. März 2015, 00:04

      Haha, ich glaube in dem Fall war es indisputabel ;)

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