Verletzung… und dann?

Irgendwann musste es kommen. Der durchdringende Schmerz ließ mich schon im Moment des Fallens ahnen, dass das nichts Gutes zu bedeuten hat.

In der Schreckenssekunde hin- und hergerissen, ob ich jetzt wirklich alt werde oder ob es an dem dämlichen, viel zu schweren Möbelstück lag, das ich eh nie so richtig mochte, wurde mir klar, dass diese Situation meine nahe Zukunft ziemlich beeinträchtigen würde.

Und das tat sie. 

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Sie ist ziemlich schmerzhaft

2,5 Monate ist es nun her, dass ich in den letzten Zügen meiner Wohnungsauflösung lag, kurz bevor die große Reise los gehen sollte und ich mir beim letzten Möbelstück, das die Wohnung verlassen sollte den Knöchel verstaucht habe.

Eine ziemlich unglorreiche Aktion: zwischen Freude, dass dieser ungeliebte Tisch nun endlich weg sein würde und diversen Flüchen, dass diesen Scheißding so furchtbar schwer sein musste knickte ich auf der Treppe um, stürzte und der Tisch mit Wucht hinterher und auf mich drauf.

Da saß ich nun also: in Tränen aufgelöst, die einer Mischung aus Schmerz, Wut und Stress der letzten Wochen entsprangen, mit einigen Schrammen und einem ziemlich fetten blauen Fleck auf dem Oberschenkel. Und eben besagter Verstauchung, die mir der einzige Unfallarzt, der am 23. Dezember noch aufhatte kurz attestierte, fix eine Bandage in die Hand drückte und mir halbherzig frohe Feiertage wünschte bevor er weiter durch die halbleere Praxis huschte.

Sie kommt immer dann, wenn man sie am wenigsten braucht

Zum ersten Mal in meinem Läufer-Leben hatte ich mir nun also etwas getan, was mich mit gutem Grund vom Laufen abhielt. Während ich sonst nur mit Unlust und Motivation zu kämpfen hatte war es nun etwas Handfestes, was mir und meinen sportlichen Vorsätzen in die Quere kam.

Zudem kam es im wohl ungünstigsten Moment: es stand ein Weihnachts-Feiertags-Familien-Freunde-Verabschiedungs-Marathon an und wenige Tage später sollte meine Südamerika Reise auch schon beginnen.

Während ich noch heilfroh darüber war mir nichts gebrochen zu haben (wie ich später erfuhr hätte ich mit Gips nicht fliegen dürfen), blies ich zwischen Feiertagen und Packstress Trübsal meine Lieblings-Laufstrecke kein letztes Mal laufen zu können und auch die üblichen Weihnachts-Spaziergänge sausen lassen zu müssen.

Doch das musste ich wohl in Kauf nehmen, alles der Gesundheit zuliebe. Auf, dass ich in den ärztlich prophezeiten 10-14 Tagen wieder fit sein würde – gewappnet für mein großes Abenteuer und bereit einen neuen Kontinent laufend zu erkunden!

Doch es sollte anders kommen.

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Sie bleibt länger als es Dir lieb ist

Die ersten Tage in Buenos Aires waren schmerzhaft. Mit der Bandage zu fliegen war keine gute Idee (mit den Einzelheiten will ich Dich verschonen) und so verbrachte ich die ersten Tage im Umkreis von 500 Metern zu meiner Airbnb Wohnung.

Mit hochgelegtem, eisgekühlten Knöchel betrachtete ich wie sich das Feuerwerksspektakel zu Silvester in den Fassaden der umliegenden Hochhäusern spiegelte und statt einem Neujahrlauf humpelte ich am 1. Januar 2015 durch die leer gefegte Mega-Metropole.

Die Tage vergingen, der Schmerz hielt an und mit wachsenden Trotz und Übermut erweiterte ich meine täglichen Spaziergänge durch die Stadt – wie kann man in einer Stadt wie Buenos Aires auch nicht laufen, wenn man alles sehen, erleben, erkunden möchte? Und vor allem wie kann man nicht Tanzen?

Eine Tanzeinheit, ein Umzug in eine neue Airbnb Wohnung und damit einhergehend zwei weitere sehr schmerzhafte Überdehnungen desselben, störrischen Fußgelenks später sollte jegliche größere sportliche Betätigung fürs Erste erledigt sein.

Aus zwei Wochen wurden 2,5 Monate Regenerationszeit. 

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… und dann?

Ich komme gerade von meinem ersten Lauf nach 2,5 Monaten Pause zurück. Er war nicht geplant, ich hatte nicht einmal Sportsachen an, nur meine Laufschuhe, die ich wie ein Andenken an bessere Zeiten die letzten Wochen fast täglich getragen habe.

Ich wollte ein wenig Spazieren gehen, den Gletschern im Los Glaciares Nationalpark bei El Chalten entgegenlaufen, als ich mich erinnerte, dass da etwas war, was ich so lange Zeit vermisst hatte.

Mein Schritt beschleunigte sich und schon lief ich. Nicht durchgängig, aber immer wieder. Nicht besonders schnell, aber mit einem Gefühl, das ich kannte und das ich liebte. Aufmerksam auf jeden Schritt und jede Bewegung in meinem Fußgelenk und mit einer Erleichterung, dass es sich endlich wieder gewohnt anfühlte. Endlich wieder normal und ohne jegliche Beschwerden, nicht mal das ewige Ziepen, was sonst immer noch nachwehte.

Ich lief. Wenn auch nur wenig und auch nur langsam, aber ich lief. Ohne Schmerzen und das war das Wichtigste.

Wenn man einmal so lange in einer Verletzung festgesessen hat weiß man später immer besser Bescheid:

… dass man sich mehr Zeit hätte geben sollen, dass man mehr Acht hätten geben sollen und, dass man geduldiger mit sich selbst hätte sein sollen.

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Ich werde mit meinem Training nun wieder nahezu bei 0 anfangen müssen.

Doch es war nicht die Verletzung, die mich so weit zurückgeworfen hat, sondern ich selbst.

Und damit Du bei Deiner (hoffentlich nicht so bald kommenden) nächsten (Fuß-)Verletzung nicht die selben Fehler wie ich begehst, möchte ich Dir ein paar Dinge ans Herz legen:

  1. Erste Hilfe bei der Verletzung: Sofort Fuß hochlegen und kühlen, kühlen, kühlen.
  2. Sobald wie möglich zum Arzt. Schneller als in der Ambulanz bist Du bei einem Unfallarzt dran. Geröntgt wird in beiden Fällen mit ziemlicher Sicherheit. Ich drücke Dir die Daumen, dass nichts gebrochen ist!
  3. Hör auf Deinen Arzt und ziehe die Bandage, insofern Du eine verschrieben bekommen hast, so oft wie möglich bis immer an.
  4. Versuche den Fuß so oft wie möglich hochzulegen und zu kühlen.
  5. Sei nicht übermütig und gebe der Verletzung Zeit zu heilen.
  6. Horche jeden Tag aufs Neue in die Verletzung rein und entwickle ein Gefühl dafür, wann es Zeit ist sich etwas mehr zuzutrauen. Selbst wenn der Arzt sagt, dass es eine Woche dauert hängt es immer von den individuellen Situation ab, wie lange eine Verletzung heilen muss.

(Disclaimer: Nimm Dir diese Ratschläge bitte wirklich zu Herzen, denn sonst dauert das Ganze wie bei mir einfach nur unnötig länger und Du schlägst Dich mehrere Wochen oder sogar Monate mit Deiner Verletzung rum. Und je länger es dauert, desto mehr schwindet Deine Kondition und desto schwieriger wird auch der Wiedereinstieg.)

 

Ich hoffe sehr, dass Du von jeglichen Verletzungen verschont bleibst!

Doch sollte es mal soweit kommen: erinnere Dich an meine Worte!

Warst Du schon mal in einer ähnlichen Situation?
Wie bist Du mit der Verletzung und vor allem dem Wiedereinstieg umgegangen?

Ich freue mich auf Deine Kommentare und Ratschläge!

Comments(13)

  • 26. März 2015, 10:15  Antworten

    Ich kann Dich gerade ein bisschen verstehen :( Habe mir durch zu viel Training eine Reizung im Kniegelenk zugezogen und bin jetzt trotzdem so 2-3 Wochen damit weitergelaufen. Jetzt geht gar nichts mehr. Erstmal eine Woche Sportverbot und dann mal sehen… das kommt davon, wenn man eine besonders gute Zeit beim ersten Wettbewerb des Jahres erzielen will ^^*

    Schön, dass es bei Dir wieder aufwärts geht! :)

    Liebe Grüße,
    Missi

    • Carina
      29. März 2015, 22:55

      Oh Missi, dann geht es Dir wohl genau wie mir! Ich hoffe Du bist bald wieder fit und bereit für den nächsten Lauf! :)

  • 26. März 2015, 12:47  Antworten

    Ich wünsche Dir alles Gute, ich weiß genau, wie das Gefühl ist, nach so einer langen Pause wieder anzufangen. Aber ich muss Dir auch widersprechen. Du fängst nicht von Null an. Die Verletzung mag Dich zurückgeworfen haben, Deine Ausdauer, ein Stück Koordination, ein Stück Sicherheit mag weg sein, aber im Kopf bist Du doch viel weiter, die Erfahrungen, die Du beim und mit dem Laufen gemacht hast, kann Dir niemand nehmen. Ich habe das mal »Die Ausdauer im Kopf« genannt — und vielleicht ist sie das Wichtigste, das wir zum Laufen brauchen.

    • Carina
      29. März 2015, 22:53

      Herzlichen Dank! Deine Worte treffen es ziemlich gut und „Ausdauer im Kopf“ finde ich einen schönen Begriff, genau das ist es! Und ich freue mich auch schon wieder voll durchzustarten!

  • 26. März 2015, 13:29  Antworten

    Hi Carina,

    Verletzungen sind eine nervige Sache, ich kenne das selbst nur zu gut.
    Als leidenschaftlicher Sportler sind solche Zwangspause immer sehr frustrierend.
    Ich kann Dir jedoch sagen, dass es beiweitem nicht ist, wie bei Null anzufangen. Aus Erfahrung kann ich Dir versichern, dass ein Trainingsstand, den man einmal hatte sehr viel schneller als beim ersten Anlauf wieder erreicht ist. Insbesondere koordinative Fähigkeiten und Bewegungsabläufe sind schnell wieder abrufbar. Kopf hoch, in Kürze bist du wieder auf dem Stand von vor drei Monaten! :)

    Du schreibst, Du hast 2,5 Monate keinen Sport gemacht. Andere Sachen hättest du zur Erhaltung der Grundfitness währenddessen doch trotzdem machen können. Alle möglichen Übungen, die bettroffene Sehnen und Bänder nicht belasten. Auch wenn man unterwegs ist, gibt Bodyweight Training da einiges her. ;)

    Sportliche Grüße
    Jahn

    • Carina
      29. März 2015, 22:52

      Hej Jahn,
      danke für den aufmunternden Kommentar, Du hast ganz Recht!
      Ja, ich hätte tatsächlich auch andere Dinge machen können! Ich war durchaus ein wenig wandern (wäre auch eine Schande gewesen, wenn ich Torres del Paine und El Chaltén ausgelassen hätte!) und ich habe ein paar Dinge ausprobiert, aber irgendwie hat es immer dazu geführt, dass ich mir wieder weh getan habe am Fuß, deswegen habe ich bei sanftem Wandern belassen. Hätte ich mehr Online-Zeit gehabt hätte ich mit Sicherheit besser recherchiert, aber so habe ich nun einfach die Landschaft genossen und mich mit dem Fuß abgefunden ;)
      Hast Du auf Deinem Blog Tipps für den Wiedereinstieg?
      Liebe Grüße!

      • 31. März 2015, 09:17

        Hi Carina,

        auf der coolen Reise, die du gemacht hast, kann ich verstehen, dass du da deine Internetzeit auf ein Minimum reduziert hast! ;)
        Einen Artikel zum Wiedereinstieg nach einer Verletzung habe ich bis jetzt noch nicht geschrieben. Da ich schon diverse Verletzungen hinter mir habe und mir vorstellen kann, dass das den ein oder anderen interessiert nehme ich das aber auf jeden Fall in meinen Redaktionsplan auf. Danke für die Idee! :)

        Grüße
        Jahn

  • 27. März 2015, 06:22  Antworten

    Autsch, das klingt schmerzhaft!

    Aber man fängt nie wieder bei 0 an. Denn abgesehen von deinen vorigen Erfahrungen, hast du ja auch aus dieser Situation sehr viel über dich und deinen Körper gelernt. ;)

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Carina
      29. März 2015, 22:46

      Das stimmt allerdings!
      Danke Dir für den netten Kommentar Philipp :)

  • 27. März 2015, 08:11  Antworten

    Kann sehr gut nachempfinden, wie Du Dich fühlst. Ich habe mir einen Tag vor meiner Transsib-Reise einen Muskelfaserriss beim Sport zugezogen – ich bin trotzdem gereist – sehr gehandicaped. Wo ich sonst gern laufe und mich bewege, stieg ich dann in den Städten in Hop on hop off-Busse, das machte mich totale kirre. Nicht meine Reiseart. Es dauerte viele Monate, bis ich wieder Sport machen konnte – wahrscheinlich hatte ich alles mit der Reise noch verschlechtert. Ich wünsche Dir eine schmerzfreie Reise und genieß weiterhin Südamerika!

    • Carina
      29. März 2015, 22:45

      Oh man, einen Muskelfaserriss stelle ich mir auch unglaublich schmerzhaft vor! Ach Mensch, das tut mir Leid, dass Du gerade vor der Transsib so etwas „mitschleppen“ musstest. Es schränkt einen wirklich massiv ein, vor allem wie man reist. Ich war froh, dass wir mit dem eigenen Bus ja ziemlich flexibel sind… ist nun alles wieder ganz verheilt bei Dir?
      Danke Dir ganz herzlich!

  • Lea
    31. März 2015, 15:45  Antworten

    Kann deine Situation gut nachvollziehen. Ich habe mich an der Schulter verletzt, vor vier Wochen, und trotzdem weiter trainiert (CrossFit, d.h. Gewichtheben, Handstand, etliche Liegestütze etc.). Jetzt heißt es vom Arzt mindestens 6 Wochen Pause. Dann sehen wir weiter. Hätte ich direkt pausiert wäre es erst gar nicht so schmerzhaft geworden und ein Großteil der Schonungszeit wäre schon rum. Zum Glück hat bei mir jetzt die Vernunft eingesetzt und ich bin bereit so lange auszusetzen, auch wenn es mich sehr, sehr, sehr schmerzt. :-(

    Danke für deinen Beitrag, er bestärkt mein Gefühl noch mal mehr auf meinem Körper zu hören.
    Meine nächste große Reise ist erst für Ende des Jahres geplant, bis dahin ist meine Schulter hoffentlich wieder komplett geheilt.

    Dir weiterhin eine gute Reise :-)

  • Naomi
    31. März 2015, 18:20  Antworten

    Ein schön geschriebener Artikel! Und auch ich kann das Ganze sehr gut nachfühlen (v.a. kurz vor Silvester und der Reise.. argh), nachdem ich mir Anfang Juli letzten Jahres in einer ebenso blöden, chaotischen Situation das Sprunggelenk gebrochen habe. Die erste Wanderung habe ich 2 1/2 Monate später in Japan gewagt, den ersten Lauf sogar erst im Dezember wieder auf der Lieblingsstrecke am Rhein. Ich weiß noch, wie voller Adrenalin ich war, in einer Art Aufbruchstimmung, sodass ich dann letztendlich ganze 15 km gelaufen bin und zuhause wieder Schmerzen hatte. Im Nachhinein (und damit möchte ich meinen VorrednerInnen zustimmen ;-)) bin ich aber erstaunt, wie wenig mir dieses lange fast halbe Jahr von meiner „Grundkondition“ genommen hat. Regelmäßig schwimmen gehen – wenn man’s denn mag – hilft sehr dabei, nicht auszuflippen. Letzten Sonntag bin ich meinen ersten Wettkampf-10er gelaufen und habe festgestellt, dass mir eher das konstante Tempo verloren gegangen ist bzw. die Fähigkeit einzuschätzen, wie schnell ich die ersten paar Kilometer durchhalte. Habe dann wegen der letzten km geschlagene fünf Minuten länger gebraucht als „früher“, aber sei’s drum. Hauptsache Bewegung und kleine Schritte nach vorne. Ganz im Sinne deines letzten Videos übers Wandern! Ich wünsche dir alles Liebe und eine erlebnisreiche Reise :-) Naomi

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