Laufen in ..., RUN
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Zwischen Schweiß und Staub – Laufen in Saigon

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Manche Tage… fühlen sich einfach nach Laufen an.

Der Januar Morgen diesen Jahres war alles andere als kühl, lau oder mild. Es war 8 Uhr, 28 Grad und (um ehrlich zu sein bin ich schlecht in Zahlen und Schätzen) es herrschte eine unerträglich hohe Luftfeuchtigkeit.

Als ich das Fenster meines Zimmers öffnete brauste und toste es schon geschäftig. Die Stadt war schon längst viel wacher als ich und wartete ganz sicher nicht auf mich, die ich im Inbegriff war den gewohnten Rhythmus der Straßen ein wenig ins Schleudern zu bringen.

Guten Morgen Saigon, guten Morgen Vietnam.

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Auf der Suche nach Blau und Banana Pancakes

Dieser, einer der ersten Morgen im neuen Jahr fühlte sich also nach Laufen an. Und ich ahnte schon beim verdutzten Blick der zierlichen Dame am Empfang meiner Unterkunft angesichts meines Sportoutfits, dass mein Lauf spannend werden würde.

Raus auf die Straße und auf in Richtung blau auf meiner Karte, wenn schon kein Grün zu sehen war.
Ein paar Backpacker tummelten sich schon in meiner Straße, der Geruch von Banana Pancakes und frischen Fruchtshakes lag in der Luft, während ich mir meinen Weg durch das rege Treiben bahnte.

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Der Soundtrack der Stadt

An der ersten Kreuzung merkte ich, dass ohne Musik zu laufen eine gute Entscheidung war. Den Soundtrack zu meinem Lauf lieferte die Straße.
Mit den unzähligen Rollern, die sich wagemutig um mich herum schlängelten, Verkaufswägen und Autos war mein Hörsinn erstmal ausgiebig beschäftigt und versuchte sich mit meinem Sehsinn zu koordinieren, der ebenfalls dezent überfordert war. Zu früh für die Reizüberflutung, mit der Dich Saigon 24 Stunden am Tag bombardiert.

Menschen, Roller, Farben, Gerüche, alles wild durcheinander gewürfelt zwischen LED Screens, blinkenden Tafeln und mehr als in die Jahre gekommenen Fassaden. Saigon ist so intensiv, so nah. Und Du kommst ihr noch viel näher beim Laufen.

Es dauerte drei Kreuzungen bis ich raus hatte, dass Stehen bleiben, warten und schauen keine Option war, wenn ich voran kommen wollte. Wer stehen bleibt verliert und geht im massiven Verkehr Saigons unter.
Also lief ich weiter. Mit dem Strom aus Rollern, bei einem kleinstel der Geschwindigkeit, aber im Takt der Megacity.

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Vietnamese iced coffee to go

Zum ersten Mal auf meinen Reisen durch Südostasien wünschte ich mir einen hier so weit verbreiteten Mundschutz. Denn mit dem Lauf durch die semigefilterten Abgase tat ich meiner Gesundheit alles andere als etwas Gutes.

Die kleinen Herren an den noch kleineren Tischen vor den winzigen Straßencafés waren wohl ganz meiner Meinung. Sie schauten verschmitzt und prosteten mir mit ihrem eisgekühlten, vietnamesischen Kaffee zu. Ich grinste zurück. Was würde ich für einen dieser iced coffees tun.

Das blaue Nichts und der Bürgersteig

Als ich das Blau plötzlich erreichte war es wie ein Aufatmen aus dem Dickicht der Großstadt. Ich konnte endlich wieder atmen!

Doch hier, wo es einen Bürgersteig gab war laufen auf einmal nicht mehr das Gleiche. Es war zu grau, zu steril, zu leise. Das ungestörte Laufen, das ich mir eben noch herbei gesehnt hatte war mir nicht mehr genug. Ich musste zurück.

Zurück, um den Menschen näher zu kommen, um lachende „Tuk Tuk?“ Fragen mit einem noch breiteren Lachen zu beantworten, um den Dunst der Großstadt mit meiner Haut aufzufangen und meinen Kopf und meine Sinne mit mehr als meinen Gedanken zu überfordern.

Staub und Schweiß. Die Mischung bekommt man nicht nur bei einem Lauf durch Saigon ab. Die Nähe zu der Stadt, das Eins werden und mit ihr verschmelzen schafft jedoch der Lauf.

Doch in Saigon gilt: Laufen auf eigene Gefahr.

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Welches war die spannendste Stadt, in der Du je gelaufen bist?

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3 Kommentare

  1. Ich bewundere dich total, ich fand es in Saigon dank der klebenden, feuchten Hitze schon beinahe zu anstrengend mich vom Take Away Sushi zum Krabbensuppenrestaurant zu schleppen. Ich hab dann in Saigon auch nur eines getan: nämlich gefuttert ;)

    • Carina sagt

      Ja, Futtern kann man in Saigon hervorragend, das stimmt! Und auch ein bisschen deswegen kam ich auch auf die hervorragende Idee laufen zu gehen – irgendwohin muss die überschüssige Energie ja abgeleitet werden ;)
      Es war definitiv eine Erfahrung wert! Auch wenn ich es aus gesundheitlicher Sicht nicht unbedingt jedem empfehlen würde !

  2. Stadtläufe… da kann man einiges erleben, allerdings wäre mir doch etwas unwohl in Saigon. Ich habe es mal in Moskau probiert, aber die Luft und die Gegend brachten mich schnell wieder in meine Unterkunft. Irgendwie war mir unwohl.

    Interessant und auch etwas aufregend war New York, wirklich richtig schön Chicago und Oahu. Hach, wie wunderbar diese Erinnerungen sind. Aber zu Hause ist es auch schön. Zum Glück, denn da muss ich ja am meisten laufen gehen.

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