Wenn es kein Zurück mehr gibt

Ich habe mich eine Weile nicht mehr gemeldet. Das hatte seine guten Gründe und sein gutes Recht. Ich möchte Dir heute ein wenig schildern, was in letzten Wochen bei mir vor sich gegangen ist.

Es ist schwer von einer langen Reise nach Hause zu kommen und dann auch wieder nicht nach Hause zu kommen. Für mich ist der Begriff Heimat oder Zuhause ein etwas schwieriger Begriff, denn ich weiß nicht so wirklich, wo das für mich sein soll.

Meine Familie wohnt nicht mehr unbedingt dort, wo ich aufgewachsen bin. Meine Freunde sind in alle Himmelswinde verstreut. Ich habe mein Herz an viele Orte verloren und gleichzeitig fühlt sich keiner dieser Orte nach Bleiben an.

So bin ich im August zurück nach Deutschland gekommen, wohlwissend, dass ein paar weitere Reisen anstehen würden. Keine langen mehr, aber kurze Tête-à-Têtes mit den wunderschönsten Ländern und als sie sich dem Ende zuneigten, immer wieder die Frage aufkroch, wohin ich zurückkehren würde. Und die Frage ob man zurückkehren müsse, was zurück bedeutet oder ob mein zurück sich besser anfühlt, wenn es nach vorne geht.

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Wo dieses nach vorne liegt wusste ich vor ein paar Monaten noch nicht. Und auch heute kann ich es noch nicht wirklich sagen. Mir scheint es, dass ein zurück, wie sich ein zurück anfühlen sollte, nun nicht mehr möglich ist.

Eineinhalb Jahre war ich weg. Eineinhalb Jahre, in denen mehr passiert ist als in eineinhalb Jahren, die man normalerweise mit Arbeit und Leben in einer sicheren Position verbringt. Es sind so viele Dinge passiert und ich fühle mich als bräuchte ich eine Pause, um das alles sacken zu lassen. Um es für mich zu verarbeiten, aber auch um mich zu sortieren und zu sehen, was ich Dir davon geben kann.

Ein bisschen dieser Zeit habe ich bin nun, in den letzten Wochen, genommen. Bei Weitem ist es nicht genug Zeit für alles, was geschehen ist.

Ich habe sehr, sehr viel gelernt und es gibt noch so viel mehr, dass ich mit Dir teilen möchte und dass ich Dir erzählen möchte. Der richtige Zeitpunkt dafür wird sich finden, da bin ich mir sicher. Aber vieles braucht manchmal einfach ein bisschen mehr Zeit, das habe ich mittlerweile verstanden. Deswegen entschuldige, dass ich mich hier auf dem Blog etwas zurückgezogen habe.

Der Zwischenstand: das Zwischenland

Während ich gerade ein paar Wochen auf Bali verbringe und die Regenzeit in mich aufnehme, beginne ich mich ein wenig zu sortieren und herauszufinden, wie ich alles Erlebte und alles Erfahrene für mich und Dich aufarbeite.

Wenn Du das hier liest, freue ich mich, dass Du dran geblieben bist und, dass Dir meine Worte etwas bedeuten.

Wenn Du diese Situation des Neusortierens und Überlegens kennst, dieses Zwischenland, dann wäre es mir wichtig, wenn Du Deine Erfahrungen mit mir teilst und mir vielleicht sagst wie Du mit diesem Zustand umgegangen bist und was Dir geholfen hat, Dinge besser zu verstehen. Ich freue mich von Dir zu hören!

 

Danke fürs da sein.

 

Comments(18)

  • 4. Dezember 2016, 15:10  Antworten

    Hach! :-)

  • 4. Dezember 2016, 16:43  Antworten

    Liebe Carina,
    es ist schön, zwischen all den Weihnachtsgeschenke-Artikeln und Listikels einen Artikel zu lesen, wo jemand gerade seine Gefühle schildert.
    Ich denke, dass es immer wieder Momente in unserem Leben geben wird, wo wir uns vielleicht neu sortieren müssen, Altes aufgeben und Neues wagen. Bei mir ist es im Moment das Ungewisse, wie das Leben nach dem Studium weitergehen soll.
    Bin mir nicht sicher, ob es ein Patent-Rezept für solche Situationen gibt. Ich als Christ denke, dass Gott für jeden von uns einen Plan hat und uns auch in schwierigen Momenten zur Seite steht.
    Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um alles zu verarbeiten. Wenn das bedeutet, dass wir Leser hier erst einmal nichts zu lesen bekommen, ist das doch mehr als verständlich – und gar nicht schlimm:)
    LG, Monique

    • Carina
      5. Dezember 2016, 16:29

      Liebe Monique,
      wie Recht Du hast und es ist auch nicht das erste Mal, dass ich dieses Zwischenland betrete. Man müsste meinen, ich sollte mich da mittlerweile auskennen und doch ist jedes Zwischenland aufs Neue ein Schritt ins Unbekannte. Einen ganz herzlichen Dank für Dein Verständnis! Es ist dieses Verständnis von außen, dass ich vermutlich auch öfter mal mir selbst gegenüber bringen sollte… Ich wünsche Dir alles Gute für alles, was bei Dir kommen wird!
      Übrigens – welch Ironie, aber heute habe ich ein Geschenke-Video gedreht… ich hoffe das Video und der Artikel dazu werden Dir dennoch gefallen ;)

  • 4. Dezember 2016, 18:14  Antworten

    Ich glaube das Beste ist nach einer „schöpferischen“ Pause dann wieder ins Tun zu kommen. Viele Dinge oder besser alle Dinge ergeben sich schneller und besser wenn man einfach anfängt. Man kann sich mit Dingen besser auseinandersetzen wenn man sie anpackt. „Tu das was dein Herz dir sagt“ mag abgedroschen klingen ist aber genau das was aus meiner Sicht immer richtig ist! Lass dich nicht unter kriegen und fühle dich gedrückt! ;)

    • Carina
      5. Dezember 2016, 16:31

      Das ist ein sehr guter Ansatz, den ich genau mit diesem Artikel in Schwung bringen möchte. Mal schauen, wie lange ich das Pendulum am Schwingen halte :) Danke für Deine aufmunternden Worte!

  • 4. Dezember 2016, 18:52  Antworten

    Du Liebe, ich glaube das Zwischenland ist wohl der wichtigste Ort der Reise. Ein Ort an dem man ankommt um den Tiefgang seines Daseins zu hinterfragen und zu erkunden. Ein Ort der oftmals dunkel scheint aber alle Wege in sich birgt, die uns zurück ins Licht fuehren. Ich nehme mir stets die Zeit die ich brauche, ziehe mich zurueck und vertraue, dass der Zeitpunkt kommt an dem ich nicht mehr im Zwischenland sein moechte – egal, wie lang das sein mag. Acceptance is key! Und ich glaube, wer das Zwischenland nicht kennt, der war nie auf der Reise!

    • Carina
      5. Dezember 2016, 16:41

      Welch wundervoll wahre Worte. Ganz so dunkel erscheint mir mein Zwischenland aufgrund der wunderschönen äußeren Umstände und der lieben Menschen, die mich umgeben zum Glück gerade nicht, aber ich kenne den Punkt, den Du beschreibst nur zu gut.
      „… aber alle Wege in sich birgt, die uns zurück ins Licht fuehren.“ Das werde ich verinnerlichen und um mein tägliches Akzeptanz-Mantra erweitern :) Danke!

  • Felix
    4. Dezember 2016, 23:49  Antworten

    Kenn ich zu gut, Carina. Bin 3 mal dieses Jahr für Jobs umgezogen, viele neue Freunde gemacht, lustige Sachen erlebt um dann wieder da zu landen wo ich vor einem Jahr weg gezogen bin. Ist schon ein schräges Gefühl wo wieder anzukommen, wo man sich auskennt und einem Erinnerungen auf der Straße begegnen. Aber das Gefühl bleibt trotzdem nur auf der Durchreise zu sein. Wie gehst du damit um nicht „gesettled“ zu sein? Ich finds auf der einen Seite super spannend, weil mitterweile mein ganzes Zeug in 2 Koffer passt, aber manchmal wünsch ich mir irgendwo dauerhaft zu sein, sowas wie nem Verein beizutreten und mal wieder eigene Möbel und nen großen Schreibtisch zum Arbeiten zu haben. Grüße aus Dublin, Felix

    • Carina
      5. Dezember 2016, 16:46

      Verrückt, wohin es einen treibt und manchmal tatsächlich doch zurück. Ich finde es auch schön nicht allzu viel zu haben und vermisse gerade nichts an Gegenständen. Es ist eher das Vermissen eines Ortes, an dem ich mich heimisch fühle und an den ich immer zurückkehren kann. Fühlst Du Dich denn in Dublin zu Hause? Wird Zeit, dass ich Dich mal besuche :)

  • 5. Dezember 2016, 08:23  Antworten

    Ich ertrage mein zwischenland, weil du mein immermensch bist. Es geht immer weiter und ohne die Pausen und ohne die immermenschen hält auch kein noch so starker Ast dem ständigen Wind stand. Es geht immer weiter und mal hoch und mal runter. Und unsere immermenschen schubsen uns immer mal wieder ein bisschen zurück auf den Weg, der wir selber sind. Und der Weg ist irgendwann die Heimat.

    • Carina
      5. Dezember 2016, 16:46

      Danke fürs Immermensch sein <3

  • 5. Dezember 2016, 08:46  Antworten

    Danke Carina für deine bewegenden Worte.

    Ich habe lange mit den Begriffen „zu Hause“ und „Heimat“ gehadert, doch sie für mich klar abzugrenzen gelernt. Heimat ist dort, wo meine Eltern und Freunde aus Jugendtagen sind – mit dem Luxus, dass das noch ein Ort ist. Zu Hause ist, wo ich aktuell lebe.

    Ich kenne diese Entwurzelung zum Glück nicht, doch möchte ich dir den Tipp geben, deine Situation als Chance zu sehen. Finde für dich heraus, wie der perfekte Ort sein soll, wer dort sein soll, wie du leben möchtest, welches Klima… Mach dir davon ein Bild und dann finde diesen Ort oder erschaffe ihn!

    Ich wünsche dir viel Kraft und Freude!

    Viele Grüße
    Susi 💚

    • Carina
      5. Dezember 2016, 16:54

      Liebe Susi,
      ganz herzlichen Dank für Deinen Tipp. Das ist ein sehr schöner Ansatz und ich habe mir darüber tatsächlich schon einige Gedanken gemacht, doch bin ich nie wirklich zu einem Schluss gekommen. Vielleicht findet sich auf meinen Reisen auch irgendwann einfach ein Ort, der sich richtig anfühlt. Darauf baue ich!
      Ich danke Dir und liebe Grüße!

  • Ela
    5. Dezember 2016, 08:58  Antworten

    Hallo Carina,
    Ich stecke momentan in einer ähnlichen Situation, zumindest im Zwischenland! Behalte den Gedanken, was auch immer passieren mag, es wird besser werden!
    Momentan scheint alles aussichtslos und schwierig zu sein oder man hat das Gefühl man hängt irgendwie (gedanklich) fest!
    Manchmal tut es gut, sich einen Menschen zu schnappen und mit ihm darüber zu reden! Oder schreibe dir deine möglichen Zukunften aus und entscheide dich für eine!
    Als Kind hat man immer gesagt bekommen „alles ist möglich“ und so sehe ich das heute noch!
    Kopf hoch und lass die Sonne in deinem Herzen!
    Liebe Grüße, Ela

  • 5. Dezember 2016, 09:11  Antworten

    Hey Carina,
    schöne Worte, in denen ich mich auch irgendwie wiederfinde, wenn auch etwas anders. Bei mir ist es genau andersrum. Ich habe ein Zuhause, das ich sehr liebe. Meine Eltern, fast meine ganze Familie, meine Freunde, eine Wohnung, einen Job. Hier ist meine Heimat. Und doch bin ich unzufrieden, bin mit dem Job nicht wirklich glücklich und irgendwie immer innerlich aufgewühlt. Ich reise oft, war auch länger in Australien und Neuseeland unterwegs, freue mich aber auch immer wieder aufs heimkehren. Nur um dann sofort wieder wegzuwollen. Heimat ist manchmal auch scheiße! Lg Claudi

  • Melanie Meiland
    5. Dezember 2016, 11:16  Antworten

    Hallo Carina,

    Ich kann sehr gut nachempfinden wie es dir gerade geht, auch ich bin zur Zeit im Zwischenland.
    Zur Zeit bereite ich mit meinem Freund unsere Weltumsegelung vor, es wird eine Reise ohne Wiederkehr sein. Wir werden Deutschland den Rücken kehren und erstmal auf ein Segelboot ziehen und die Welt entdecken. Wo wir am Ende landen werden ist noch ungewiss.
    Das Boot wird dann erstmal unser „zu Hause“. Bisher gibt es nur einen Ort den ich zu Hause nenne und das ist wo ich aufgewachsen bin. Dabei spielt der Ort aber gar keine Rolle. Das zu Hause in das ich immer wieder gerne zurückkehre ist da wo meine Familie ist. Dabei spielt der Ort gar keine Rolle, die Menschen die ich Liebe sind mein zu Hause.

    Wir sind bisher auch sehr Rastlos. Jedes freie Wochenende nutzen wir um uns Städte anzusehen oder die Natur zu erkunden.

    Es gibt Tage wo ich am liebsten sofort meine Sachen packen und verschwinden würde. Dann denke ich daran wofür ich das alles tue und werde mir bewusst das die Zeit noch nicht Reif ist für so eine gravierende Veränderung. Ich arbeite an meinem Ziel, das braucht leider viel vorarbeit und Organisation. Bis es aber so weit ist werde ich jeden Tag hier nutzen…

    Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen

    LG Melanie

  • 5. Dezember 2016, 20:38  Antworten

    Danke für diesen tollen Beitrag. Den Begriff Zwischenland finde ich absolut super. Ich habe mein Leben im Ausland verbracht. Als Diplomatenkind durfte (nicht musste, es war eine Ehre!) ich alle paar Jahre von Land zu ziehen. So habe ich in Afrika, in Amerika, in Russland usw. gelebt. „Sogar“ mal in Deutschland. Das ganze mit meiner Familie (also meinen Eltern). So habe ich mit meinen jetzigen 23 Jahren mehr von der Welt gesehen als viele andere es jemals schaffen werden. Und das gefällt mir auch. Aber als ich dann mit der Uni fertig war (vor nunmehr 2 Jahren) wusste ich nicht so recht wohin. Für meine Eltern ging’s nach London und da zu Hause immer bei ihnen war bin ich erst mal mit. Habe einen Job angefangen, meinen Freund kennengelernt.

    London war uns ein bisschen zu voll, zu viel Trubel, zu teuer. Also sind wir der Nase nach einem tollen Job für ihn gefolgt und wohnen nun in Südengland in einer Kleinstadt. Niemals wäre ich früher freiwillig in die Kleinstadt gezogen. Eine Zeit lang dachte ich, irgendwann müsste ich zurück nach Deutschland und dort ganz klassisch eine Familie gründen und alt werden.

    Aber jetzt? Jetzt will ich das gar nicht so wirklich. Würde viel lieber für das Alter vorsorgen ohne mich zu wundern ob ich besser dran wäre, wenn ich in Deutschland in die Rentenkasse einzahlen würde. In Deutschland fühle ich mich nicht zu Hause, ein kurzer Urlaub reicht mir da schon. Im Gegenteil, ich würde lieber mehr die Welt entdecken. Eine Reise machen wie du sie es getan hast. Das wäre mein Traum. Aber das macht mir dann doch auch wieder ein wenig Angst.

    Ich fühle mich ähnlich wie du, habe nirgends wo es mich gerade hinzieht. Aber was mich freut ist, dass ich morgen wieder in meinem kleinen „zu Hause für jetzt“ bin, eine Tasse Tee trinken kann und einfach im jetzt leben kann!
    Ich würde mich freuen wenn du das Thema später noch mal aufgreifen würdest um zu erzählen was sich geändert hat!

  • 25. Dezember 2016, 18:55  Antworten

    danke für diesen einblick und deine ehrlichkeit/offenheit.

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