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Der Himmel über Bohol

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Wie ein umgefallener Käfer liege ich strampelnd auf dem Rücken im glasklaren Meer vor Bohol. Weit und breit niemand zu sehen, außer Gabi und Lito, meine filipinischen Tauch-Buddies, die sich tiefenentspannt und sehr viel routinierter als ich auf dem ruhigen Wasser treiben lassen und das kleine Boot, dass sich uns langsam nähert. Beim Blick in den Himmel landet der erste Tropfen Regen auf meinem rechten Auge, benebelt kurz meine Sicht und verschmilzt sich dann mit meiner Kontaktlinse. Während ich mich wundere ob es Taucherbrillen mit Sehstärke gibt, bricht der Regen über uns ein.

Ich habe gerade meinen ersten Tauchgang absolviert und bin noch etwas zitterig, etwas vor Kälte, aber viel eher vor Begeisterung. Eine Begeisterung, die ihres gleichen sucht und mich nur wenige Stunden später abermals überkommen sollte.

Ein Bett aus Korallen

Als ich die Schildkröte entdecke erinnere ich mich an die letzte, die ich gesehen habe, als ich auf den Perhentian Islands in Malaysia war. Riesig und so unfassbar grün. Eine Horde Schnorchler eiferte ihr nach als ihr der Trubel zu viel wurde und sie sich aus dem Staub machte, doch ich blieb stumm zurück. Die Eleganz, mit der sie im dunstigen Wasser verschwand und ohne Eile jeden, der ihr nachschwamm abschüttelte ließ mich ganz still werden.

Dieses Mal sind wir zu dritt. Sie liegt ganz friedlich zwischen den Korallen, am Rande einer Klippe und lässt sich von Fischen putzen. Perfekt getarnt und mit einer einnehmenden Ruhe. Ganz langsam nähere ich mich ihr, beobachte und achte auf ihre Reaktionen. Sie bleibt entspannt, ich mache ein Foto und wende mich ab, als Lito auf eine andere Stelle auf der Klippe zeigt.

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Lachen unter Wasser

Ich blicke auf, meinen Kiefer fest auf das Atemgerät gepresst und sehe sie an, fünf weitere Schildkröten harren am Rande des Korallenriffs aus, kauen gemächlich und haben die Ruhe weg.
Jetzt begreife ich was Lito meinte als er sagte, dass immer mal wieder Wasser in den Atemschlauch gelangen könne weil man unter Wasser viel Spaß hat. Mein Kiefer verkrampft, ich platze förmlich, da ich das dämliche Grinsen was mir in den Wangen sitzt zwanghaft unterdrücken muss. Bloß nicht das Mundstück verlieren, bloß nicht die Situation verlieren.

Als sich eine Schildkröte absetzt und langsam einen sanften Flug antritt, harre ich aus.
Ich starre in das tiefe Blau hinter der Klippe, in das sie entschwindet. Langsam, ganz langsam verblasst ihre Silhouette und lässt mich zurück.

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Glitzernde Mangroven

Das Boot schaukelt sachte und nähert sich fast lautlos dem dunklen Riesen, der sich tiefschwarz vom Nachthimmel absetzt. Ich kneife meine Augen zusammen und plötzlich erkenne ich sie – erst vage, vereinzelt und plötzlich sind es Tausende, die mein Sichtfeld einnehmen und sich fliegender-, zitternder-, blinkenderweise auf dem alten Mangrovenbaum tummeln. Glühwürmchen. So unglaublich viele Glühwürmchen, wie ich sie in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe. Tausende, vielleicht sogar Hunderttausende winzige, leuchtende Punkte lassen den Umriss des Baumes zu einem unwirklichen, organischen Lichtgebilde formen.

Es ist mein ganz persönliches Weihnachten im Paradis. Im Februar, allein auf einem Boot mit einem Firefly-Spotter und einem Bootsmann. Den Moment zu teilen versuche ich vergebens zwischen Iso- und Blenden-Anpassungen und einer weit herunter gefallenen Kinnlade, der Kopf überrumpelt von so vielen Reizen, die mich auf einmal überschwemmen. In diesem Moment wird mir klar: Ich muss wieder kommen.

Wo sind all die Sterne?

Blau, fast schwarz, etwas trüb ist mein Blick, den ich über den Nachthimmel wandern lasse. Sollte ich nicht zumindest ein paar Sterne sehen? Beim Umschauen in die beleuchtete Balkontür wird mir klar, dass ich meine Brille nicht anhabe. Rein in den warm erleuchteten, klimatisierten Raum, Tasten nach der Sehhilfe, aufsetzen, zwei Mal blinzeln, raus. Wo sind all Die Sterne?

Es ist mein letzter Tag auf der Insel und ich weiß gar nicht wo hin mit all den Eindrücken, die mich auf der Welle des Jetlags schlichtweg überrollt haben. Man kann viel reisen und doch so wenig sehen. Ich habe in den wenigen letzten Tagen Dinge gesehen die mir sprichwörtlich den Atem geraubt haben. Ich habe Bilder in meinem Kopf, die ich nicht mal zu beschreiben versuche, denn keine Wörter, keine Photographien würden ihnen gerecht. Das Kribbeln in meinem Kopf hört nicht auf.

Und dann schalte ich das Licht aus.

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Am 8. Februar 2014, 4.40 Uhr Ortszeit Manila, genau drei Monate nachdem der Taifun Haiyan die Philippinen erreicht hat, startete die Inselgruppe eine globale Kampagne, um ihre Dankbarkeit für die überwältigende Hilfsbereitschaft auszudrücken, die dem Land nach den verheerenden Auswirkungen des Taifuns entgegengebracht wurde. 

Alle Menschen auf der ganzen Welt, die ihr Mitgefühl für die Philippinen ausgedrückt und die Inselgruppe finanziell oder anderweitig unterstützt haben, sollen im Rahmen dieser Kampagne die tiefe Dankbarkeit des Landes erfahren und gleichzeitig dazu beitragen, dass diese Dankbarkeit weitergetragen wird. Mit dem Hashtag #PHthankyou können Menschen weltweit weiterhin ihre Unterstützung für die Philippinen zeigen oder ihre Wertschätzung für die Hilfe bekunden.

In diesem Sinne sage ich Danke an das Philippine Department of Tourism für die Einladung. Alle Meinungen sind meine eigenen.

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