5 Gründe warum Vulkanausbrüche und Laufen sich nicht vertragen

„Oh, es ist ja noch dunkel.“
Normalerweise ist dieses ‚oh‘ ein verschlafen-freudiger Ausdruck für die frühmorgendliche Erkenntnis, dass man noch mindestens 1-2 Stündchen länger schlafen kann.

An diesem Morgen war es anders.

Mein ‚oh‘ glich eher einem positiv überraschten Ausdruck dafür, dass ich bereits erstaunlich ausgeschlafen und fit für diese viel zu frühe Stunde war.

Endlich machte sich also das früher ins Bett gehen bezahlt und so zwiebelte ich mich fast ein bisschen stolz aus den Bettlaken ob dieser unbekannten morgendlichen Frische.

Ein seltener Augenblick wie dieser musste genutzt werden

Schnell schmiss ich mich in meine Laufsachen, schnürte die Laufschuhe und schritt voller Tatendrang vor die Tür meines Vans. Chile, ich lauf Dich!

Meine Lieblings-Laufmusik schon im Ohr wippte ich hochmotiviert mit dem Kopf und setze zum ersten Schritt an, als ich merkte… irgendetwas stimmt da nicht.

Ich blinzelte einmal, zweimal… Doch das komische, pieksende Gefühl in meinen Augen wurde nur schlimmer. Als ich tief einatmete stockte mir die Luft in meiner Kehle – was um alles in der Welt war da los?

Don’t mess with Calbuco

Calbuco hieß der Übeltäter, der mir an diesem Morgen einen Strich durch die Lauf-Rechnung gemacht hat. Ein Vulkan, der sich nach über 30 Jahren Dornröschenschlaf am Tag zuvor überlegt hatte, dass die Zeit für einen monumentalen Ausbruch gekommen sei.

Zwar hatte ich den Ausbruch am Vortag mit Bangen miterlebt, doch versicherte mir mein ansässiger, erfahrener Vulkanbesteiger-Freund, dass die Asche nach Argentinien rüber ziehen würde, so wie immer.

Vermutlich auch ein Grund, warum die Argentinier nicht allzu gut auf die Chilenen zu sprechen sind.

Doch dieses Mal sollte es anders kommen und der Vulkan und die Winde entschieden sich dazu einfach alles im Umkreis von 300 Kilometern zu kontaminieren. Ob nun Chile oder Argentinien… alles eins!

… der Rückzug

So gab ich meinen Lauf bereits auf bevor ich ihn überhaupt begonnen hatte. Meine Motivation war spätestens dann komplett hin, als ich feststellte, dass es bereits halb zehn war. So viel zum früh aufstehen. Und zum früh schlafen gehen.

Der Vulkanausbruch hatte den Tag zur Nacht gemacht und mein Laufvorhaben zunichte.

5 Gründe warum Vulkanausbrüche und Laufen sich nicht vertragen

(Teils zur Aufklärung, teils zur Beruhigung meines Gewissens)

  1. Du kannst nicht atmen 

    Die Luft fühlt sich bröselig trocken in Deinem Hals an und jeder tiefe Atemzug stockt schon im reinen Ansatz. Tiefes, erholsames Einatmen, wie ich es zumindest beim Laufen gerne tue fällt flach.

  2. Du kannst nichts sehen 

    Deine Augen brennen. Es beißt, zwickt, piekst. Mit Kontaktlinsen: noch weitaus unerträglicher.Selbst, wenn Du die Augen normal öffnen könntest, müsstest Du auf eine schöne Aussicht beim Lauf wohl verzichten. Die Asche bedeckt den Himmel, es ist dunkel. Und wenn sich die Sonne doch mal durchkämpft siehst Du die Welt durch einen grau-bräunlichen Vorhang.

  3. Asche legt sich wie Zement auf Deine Haut 

    Atmungsaktiv fühlt sich anders an. Die feinen Aschepartikel legen sich wie ein Film auf Deine Haut und verstopfen jede noch so kleine Pore.Die erholsame Dusche nach dem Lauf wird zur Geduldsprüfung, da Du die klebrig-zementartige Masse nur schwer herunterbekommst. Vom Zustand Deiner Haare ganz zu schweigen…

  4. Du kannst den Lauf nicht genießen 

    Permanentes Klimpern mit den Wimpern und Schnappatmung durch den Mundschutz gehören nicht zu meinen Lieblings-Lauf-Zuständen. Selbst, wenn man es wirklich drauf anlegt und sich nach einem Vulkanausbruch raus traut: Spaß macht Laufen in so einer Situation keinen.

  5. Du tust nichts Gutes für Deine Gesundheit 

    Nach einem Vulkanausbruch in der Umgebung zu laufen ist ungefähr so gesundheitsfördernd wie durch Saigon zu laufen: und zwar eher gar nicht.Deswegen am Besten: Zwangspause ertragen und hoffen, dass sich der Vulkan beruhigt.

Etwas später wurde eine öffentliche Warnung gesendet, dass von sportlicher Betätigung deutlich abgeraten würde.

Also: Faul mit gutem Grund!



Das gefällt mir!

Hat Dich schon mal ein außergewöhnliches Erlebnis vom Laufen abgehalten?

 Ab in die Kommentare damit!
Ich bin gespannt!

Comments(6)

  • 30. April 2015, 14:46  Antworten

    o, wie cool! Du konntest einen Vulkanausbruch beobachten?! Wahrscheinlich fühlt sich das für dich gerade nicht so an, aber zumindest einen Neider hast du. ;)

    Als hier in Jerusalem Sandsturm war, war nichts mit Laufen. Selbst Fahrrad fahren wurde zur Qual. Bäh…

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Carina
      10. Juni 2015, 03:44

      Nein, den Ausbruch konnte ich nicht beobachten, nur den Ascheregen am nächsten Tag!
      Ob dies oder Sandsturm – eine ziemlich pieksige Angelegenheit für die Augen!

  • nima236
    1. Mai 2015, 13:05  Antworten

    Hey Carina,
    vielen Dank für deinen Bericht!
    Ich habe im Jahr 2012 eine der größten Waldbrände in Katalonien miterlebt. Die Finca, auf der ich gewohnt habe, lag direkt im Zentrum des Brandes.
    In den Wochen nach dem Brand habe ich dann wieder mit dem Laufen begonnen, aber die Asche hat das ganze echt zur Qual gemacht. Die ganze Landschaft war nicht mehr bunt, sondern nur noch schwarz und grau .
    Meine Lunge hat aus dieser Zeit bestimmt einen dauerhaften Schaden genommen ;-)

    Liebe Grüße
    Nima

    • Carina
      10. Juni 2015, 03:47

      Hej Nima,
      danke für Deinen Kommentar! Oh wow, das muss auch ziemlich angsteinfößend gewesen sein, oder? Und das mit dem Laufen danach kann ich nun nur sehr gut nachvollziehen..
      Aber ungefähr so ist es wohl die gleiche Feinstaubbelastung wie wenn man in Saigon oder einer chinesischen Großstadt laufen geht – da können wir froh sein, dass wir doch noch ein wenig Natur vor der Nase haben ;)
      Liebe Grüße!

  • 3. Mai 2015, 17:59  Antworten

    Hallo Carina,
    ohjeee… Wie aufregend! Da sei dir das faul sein aber mal gegönnt, du hast ja schließlich eine sehr gute Ausrede.
    Dies blieb mir in Südamerika zum Glück erspart, ich wurde nur dank einer Tsunamiwarnung an der Küste Perus einmal beim Joggen aufgehalten und zurück nach Hause geschickt :-D

    Viele liebe Grüße,
    Franka

    • Carina
      10. Juni 2015, 03:49

      Hej Franka,
      da bin ich ja mal gespannt, was mich in Peru erwartet… ;) Verrückt, dass Du sogar nach Hause geschickt wurdest! Aber sicher ist sicher – gute Ausrede zum faul sein :D
      Liebe Grüße aus Chile!

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