Wo die Sonne 360 Tage im Jahr scheint: Cafayate

Ein Hauch von Lavendel durchdringt die von Traubenmost getränkte spätherbstliche Luft, mit der sich meine Lungen füllen. Ich atme tief ein und aus, während ich an den endlosen Weinfeldern der kleinen argentinischen Stadt Cafayate entlanglaufe.

Mit mir unterwegs an diesem frühen Morgen sind einige Schulkinder. Mal laufend, mal gehend kommen sie mir in ihren einheitlichen Schulsportanzügen entgegen und wundern sich wohl, warum man außerhalb vom Sportunterricht joggen gehen sollte. Die besonders coolen Grüppchen schauen nur verdutzt, wenn ich sie grüße. Die Einzelgänger unter den letzten Läufern grüßen mich hingegen freundlich zurück.

Und ich bin verzückt. Die Sonne blinzelt gerade über die Berge hinüber und hüllt die Weinreben in die buntesten Farben. Der feine, sandige Boden unter mir verpufft mit jedem Schritt in eine neue kleine Staubwolke. Hier liegt die Ruhe auf der Straße und ich kann sie mit jedem Atemzug in mich aufnehmen.

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Wo der Wein am höchsten wächst

Die Weinanbaugebiete um Cafayate sind die höchst gelegenen dieser Erde. Sei es der Wein, die 360 Sonnentage im Jahr oder die Landschaft, in die die kleine Ortschaft eingebettet ist: Cafayate hat die Ruhe weg.

Ich beende meinen Lauf mit einen Abstecher in einen kleinen Almacen, der auch hausgemachte Backwaren verkauft. Frisches Brot (sogar ‚Negros‘, dunkles Brot), Churros, Medialunas und Facturas in allen Pudding- und Marmeladenrichtungen liegen in der Auswahl. Für gerade mal einen Euro decke ich mich für Frühstück und Mittagessen komplett ein.

Nach Dusche und Frühstück auf einem der wohl entspanntesten Campingplätze seit langem (Camping Luz y Fuerza) schlendere ich ins örtliche Weinmuseum, das direkt am Ortseingang auf mich wartet. Es liegt nicht zu übersehen, genau gegenüber des tierischen Hauses eines Künstlers, das durch das riesige steinerne Lama am Eingang besticht.

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Ein bisschen wundere ich mich über das hochmoderne Museum, das sich in seiner Multimedialität nicht so recht in das alteingesessene Wesen Cafayates einzupassen scheint. Doch nimmt es mich auf sehr anschauliche bis poetische Weise mit durch die Geschichte der hiesigen Weinlandschaft und den Prozess rundherum von Traube bis zum fertigen Wein.

Der Siesta entfliehen

Da gegen Mittag fast alle Geschäfte schließen und teilweise erst um 7 Uhr am Abend wieder öffnen, wie beispielsweise der Markt (übrigens auch der einzige Ort, wo man frisches Obst und Gemüse in Cafayate kaufen kann), mache ich einen kleinen Ausflug.

50 Kilometer nördlich Richtung Salta und wieder zurück stehen an, auf zur Quebrada de las Conchas. Ich fahre einige Kilometer und wundere mich, was das besondere an dieser Landschaft sein soll, doch nur wenige Minuten später verschlägt es mir komplett den Atem. Die Quebrada glüht – ich werde von Sandstein umzingelt

Berge in allen erdenklichen Variationen, zackig, hügelig, wogend reihen sich kilometerlang aneinander. Sandstein, der sich lustig formt wie ein Frosch oder ein Mönch oder auch wie die Canyons, die ich bisher nur von Bildern aus den USA kannte.

Ich kann mich nicht satt sehen an den Formen, den Farben, den sanften Verläufen und den harten Schichtungen. Das große Finale bildet der Schlund des Teufels. Zwei Musiker haben sich perfekt am Eingang der halboffenen Höhle positioniert und tragen ihre Klänge über eine einzigartige Akustik in meine Ohren. Ich wiege, ich wanke und stolpere zurück, angesichts der Massivität dieses Gebildes. Zurück auf die Straße. Der Weg ist Staunen. Und der Weg ist frischer Ziegenkäse, der überall an ihm entlang angeboten wird. Verpasse ja nicht den Ziegenkäse in Cafayate!

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Die Nächte sind zum Leben da

Zurück in der Stadt, zurück auf den Plaza, mitten in der Stadt, auf dem man sich trifft, quatscht, musiziert. Um ihn herum findet das örtliche Leben statt, insbesondere bei Nacht.

Auf einen Quinoasalat und einen frisch gepressten Multifruta-Jugo geht es ins El Zorrito, wo ich das geschäftige Treiben der Landsleute beobachte und mir vorstelle wie es wäre hier noch ein wenig zu bleiben…

Und ich blieb. 2, 3, 4 Tage, nein Nächte. Eine Steuererklärung, einige Kilometer per Rad und Fuß und einige Wein- und Ziegenkäse-Proben später trenne ich mich schweren Herzens von der Stadt und der gesamten Gegend, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.

Cafayate, machs gut! Bleib so ruhig und besonnen und auf ein baldiges Wiedersehen!

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 Warst Du etwa schon mal in Cafayate?
Hat es Dir auch so gut gefallen?

Comments(6)

  • 2. Juni 2015, 11:17  Antworten

    Hi Carina,

    Du hast echt eine tolle Art zu schreiben, die richtig Fernweh macht…
    Ich muss es auch endlich einmal nach Südamerika schaffen! :)
    Wie lange bist Du denn jetzt insgesamt schon unterwegs? Ist irgendwann mal wieder ein Zwischenstop in good old Germany geplant? ;)

    Viele Grüße
    Jahn

    p.s.: Wann hast Du denn Dein Theme geändert? Es sieht irgendwie alles ein wenig anders aus…

    • Carina
      10. Juni 2015, 03:26

      Hej Jahn,
      dank Dir! Ich bin jetzt 5 einhalb Monate unterwegs und vorerst ist kein Zurück geplant… ;)
      Theme habe ich schon im Februar geändert – gefällt es Dir?
      Liebe Grüße!

  • 2. Juni 2015, 12:29  Antworten

    Schmacht! Wie ich Deine Videos liebe und die Texte sowieso. Danke für diese kleine Entführung nach Südamerika <3

    • Carina
      10. Juni 2015, 03:24

      wie immer gern <3

  • 5. Juni 2015, 10:31  Antworten

    Hallo Carina,

    ich musste herzlich lachen, als ich die Tänzer zu deinem Soundtrack tanzen sah. :D

    Wie war der Wein? Auch ohne Ziegenkäse gut? :)

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Carina
      10. Juni 2015, 03:24

      Hej! Wein war hervorragend, Argentinien halt :) (und unverschämt günstig!)
      Liebe Grüße!

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