Straffrei in der bunten Stadt – Buenos Aires

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Manchmal kommt man an Orte, die einfach vor Leben sprühen. Erst bist Du Dir gar nicht bewusst woher dieses Gefühl genau kommt, doch es überwältigt Dich und Du fühlst Dich geladen und voller  Energie und Zuversicht. Mit einem breiten Lächeln schlenderst Du die Straßen entlang. So wie es alle hier tun, in einem wunderbar gemäßigten Tempo, um die Stadt in vollen Zügen auszukosten, jede kuriose Eigenheit wahrzunehmen und jeden bunten Winkel zu erkunden.

Buenos Aires ist so eine die Stadt. Und der Ursprung dieses Gefühls wurde für mich erst richtig greifbar, als ich hinter die Kulissen der bemalten Häuserfassaden blicken konnte und verstand wie tief Street Art im Gefüge der Stadt verankert ist.

Drum begebe ich mich auf eine kleine visuelle Reise durch die bebenden Straßen dieser Metropole. Begleitest Du mich ein Stück?

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Das Leben, das von den Wänden lacht

Die Porteños (wie die Einwohner Buenos Aires genannt werden) haben ihr Herz auf der Straße. Freude, Unmut und Revolution werden in Buenos Aires wie in kaum einer anderen Stadt auf der Welt in den Straßen zur Schau gestellt und an ihren Häuserfassaden verewigt.

Das Leben, vor dem die Stadt sprüht lacht Dir von den Wänden entgegen, denn anders als in anderen Städten gibt es in Buenos Aires keine Strafe für Grafitti, Street Art oder jeder sonstigen Art von Wandbemalungen (auch die nicht künstlerischen). 

Einzigartig in der Welt: Die Wand ist da, um genutzt zu werden

Für Matt, den Gründer der Buenos Aires Street Art Tours, der ursprünglich aus England kommt und Londons Street Art Szene nur zu gut kennt ist Buenos Aires das Mekka für Artists.

Während man in London (aber auch in Berlin, New York und fast überall auf der Welt) eine deftige Geld- oder sogar Gefängnisstrafe dafür bekommen kann, ist hier alles erlaubt.
Nun gut, fast alles: Züge sind die einzigen öffentlichen Flächen, die man nicht bemalen sollte. Aber selbst dafür hält sich die Geldstrafe in Grenzen. Hier ist alles etwas lockerer, angenehmer.

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Was hält einen in Buenos Aires?

Matt kam vor einigen Jahren nach Buenos Aires und blieb einfach. Was ich ihm nicht verübeln kann: Buenos Aires bietet einen unglaublich hohen Lebensstandard zu gemäßigten Preisen.

Die Gemüter sind sonnig, so wie das Wetter hier und es lebt sich einfach einfacher. Weil alles nicht so furchtbar streng ist und alles nicht so schrecklich ernst genommen wird, vor allem sich selbst nicht.

Mittlerweile kennt er jede Ecke der Stadt wie seine Westentasche, kennt jedes Mural, jeden Stencil und jeden Künstler. Es macht Spaß ihm zuzuhören, wie er mit Begeisterung von den bunten Dingen erzählt, die hier in den Straßen passieren, von der Entwicklung der Stadt und der Szene.

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Eine Stadt mit Potential

Er war der Erste, der das Potential von Buenos Aires gesehen hat und bildet mittlerweile zusammen mit Sophia, die an einer Schule in einem der ärmeren Barrios der Stadt unterrichtet die Schnittstelle zwischen Künstlern, Hauseigentümern und Street Art Liebhabern wie mir, die einen besseren Einblick bekommen möchten, was hier in den Straßen geschieht.

Wenn Du in der Stadt bist und an Street Art interessiert lege ich Dir ihre Touren wirklich sehr ans Herz! Du wanderst mit ihnen durch Viertel, in die Du vermutlich sonst nicht gegangen wärst (keine Angst, sie sind sicher) und entdeckst wahre Meisterwerke! Ein cooler Einblick hinter die bunten Kulissen der Stadt!

Die Straße ist für alle da

Die Offenheit der Stadt erlaubt jedem seine Meinung an den Wänden (und auf dem Boden) Kund zu tun. So sieht man hier neben den kleinen und großen Kunstwerken von Street Artists Liebesschwüre an die verstorbene Lieblings-Sängerin der Argentinier Mercedes Sosa, Gedenkschriften an traurige Ereignisse und politische Wahlbotschaften gleichermaßen.
Die weißen Flecken der Stadt sind für alle da.

Die Geschichte von Buenos Aires liegt in ihren Straßen.

Sowohl in ihren geschäftigen, hitzigen Avenidas, wie auch in den winzigen, leisen Gässchen: Überall werden Geschichten erzählt. Street Art ist die Seele der Stadt, die Buenos Aires zum Leben erweckt.

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Anmerkung: Einen großen Dank an Matt & Sophia für die Einladung auf ihre spannende Street Art Tour! Nichts wie hin, wenn Du in Buenos Aires bist!

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Comments(6)

  • 3. Februar 2015, 13:14  Antworten

    Hallo Carina!

    Ich liebe Street Art! Dass es in Buenos Aires nicht unter Strafe steht, finde ich sehr sympathisch. Und das Matt und Sophia eine Plattform zur Verständigung aufbauen, finde ich richtig gut, denn für Hausbesitzer kann es natürlich schon eine unglückliche Situation sein, besonders wenn es um die nicht kunstvollen geht.

    Und passend zum Artikel noch ein Lied, dass ich sehr gern mag und an das mich dieser Beitrag erinnert hat:
    https://soundcloud.com/admbscloud/2-la-calle-es-nuestra

    Alles Liebe,
    Philipp

  • 3. Februar 2015, 16:30  Antworten

    Hi Carina,

    danke für den schönen Artikel.

    Buenos Aires steht schon lange auf meiner Bucket List.

    Da ich selber Illustratorin bin und Streetart liebe, habe ich jetzt noch einen weiteren Grund Buenos Aires endlich zu besuchen!

    Ich war gerade in Istanbul und war erstaunt, wie viel tolle Streetart es dort gab, das hatte ich nicht erwartet.

    Liebe Grüsse,

    Nina

  • hildegard
    4. Februar 2015, 12:52  Antworten

    Hi, war last year in portugal :olhao , das war ein paradies für streetartliebhaber.aber deine streeartbilder sind einfach toll.danke dafür

  • 4. Februar 2015, 18:48  Antworten

    Soweit ich weiß, darf man in Buenos Aires nicht einfach überall die Wände mit Street Art verschönern, sondern die Künstler fragen zumindest beim Hausbesitzer (falls es einen gibt) um Erlaubnis. Aber vllt. tun das nicht alle… und die Strafen sind vermutlich tatsächlich überschaubar.
    So hab ich’s zumindest bei http://graffitimundo.com/ gehört, die ebenfalls spannende Street Art Touren durch Buenos Aires anbieten. ;-)
    Ich plane einen neuen Besuch in Buenos Aires für Nov/Dez – kann’s kaum erwarten! Endlich mal wieder bei 30°C Weihnachten feiern! :)

  • 6. Februar 2015, 08:39  Antworten

    tolle bilder :) da bekomm ich gleich fernweh!

  • 28. Januar 2016, 18:29  Antworten

    Schöne Fotos, aaaber die meisten der Streetartbilder werden in Abstimmung mit den Hausbesitzern gemacht und manche Künstler werden sogar extra von ihnen beauftrag!

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